MattFinn - Das Leben eines Kriegers

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Wie ich es schon beinahe als Tradition meiner selbst bezeichne habe ich auch nun hier, in Biosfear, vor meinem Charakter eine Lebensgeschichte zu verpassen.

Da leider die Möglichkeiten des Spieles sehr begrenzt sind nehme ich mir die Freiheit die Welt etwas zu biegen und zu erweitern. Wenn also jemand nicht damit umgehen kann seine Phantasie einzuschalten, oder strikt nur das hören will was auch ingame Möglich ist möge er bitte diesen Thread wieder verlassen.

Wer allerdings interressiert ist was ein Bulkan in jungen Jahren erlebt, wie er aufwächst, was er als seine werte bezeichnet und was dieser spezielle Bulkan erlebt haben mag. Dann seid mir herzlichst Willkommen, ich freue mich über jede konstrukitve Kritik. Sei sie im guten oder im schlechten.

Was ich allerdings nicht abhaben kann sind Posts ala "Die story is kagge" ..... naja die meisten, denke ich, kennen solches gewäsch. (die story is kagge WEIL... ist natürlich etwas anderes)

ausgelegt wäre die geschichte atm auf ca 15-20 kapitel, wobei die ersteren, die jugendzeit, rein in phantasiegegenden erzählen. später allerdings werden sehr wohl auch bekannte gebiete, monster und auch mitstreiter vorkommen.

zeitgleich versuche ich teile der geschichte in die taverne einfliessen zu lassen, allerdings immer mit bedacht nicht allzuviel vorzugreifen.

Matt

Epilog

Vor Zeiten die unserer Vorstellungskraft entsagen, als Biosfear’s Sonnen zusammen liefen und die Welt jung war. Damals als die Lebewesen wie wir sie heute kennen in der Entstehung begriffen waren, geschah der Fluch der Zeiten.

Die Welt war von Halbgöttern, Dämonen und Unsäglichen bewohnt. Zumeist beharkten sie sich. Blutigste Kämpfe, die in ihrer Gewalt ganze Bergketten vernichteten, waren beinahe tagtäglich. Doch keine der 3 großen Häuser vermochte es die Herrschaft an sich zu reissen. Viel zu ausgewogen waren die Stärken und Schwächen.

In dieser Zeit geschah ein Wunder. Der Dämon Arkalmendon, aus dem Hause Dimatri, verlor sein Herz an die wunderschöne Zalima, welche der Bezeichnung Halbgott alleine durch ihre unerschütterbare Liebe in alles Leben lügen Strafte.

Die beiden fanden sich und, auch wenn ihre Verbindung von keinem der Häuser gerne gesehen wurde, wurde sie akzeptiert. Aus dieser Verbindung entstanden 4 Söhne. Jeder mit der Macht eines Gottes und der Verschlagenheit eines Dämons. Da war Aidien, geraten nach der Mutter zierlich in Statur doch kräftig und weise im Geist. Kalimtan, gross gewachsen doch von gedrungener Figur, stehts dem Recht verschrieben. Bulkim, kraftstrotzend voll stolz in der Brust seines Vaters Ebenbild.

Der letzte der geborenen Söhne, Marn, vereinte in sich alles schlechte des Dämons, ohne jedoch einen Gegenpol von seiner Mutter zu erben. Bald wurde klar das Marn nur der Zerstörung verschrieben war. Es war ihm gleich wen er Angriff, seine Brüder bedeuteten ihm nichts, andere Häuser waren ihm ein Dorn, selbst die Natur war nicht vor ihm sicher. Seine Macht wuchs und zum ersten Mal in der ewigwährenden Geschichte Biosfear’s sah es so aus als würde ein Haus, ein einzelnes Lebewesen, die Macht an sich reißen.

In dieser Notlage vereinten sich die kriegerischen Häuser Biosfear’s und berieten was zu tun sei um dieser Bedrohung einhalt zu gebieten. Marn störte dies nicht, er war sich seiner Macht bewusst und führte seinen unerbitterten Krieg weiter. Der Rat beschloss Marn Mittels eines Fluches seiner Macht zu berauben.

Der Fluch der wahren Liebe, gebunden für alle Ewigkeiten an ein liebendes Herz. Doch der rat wusste, das einzige Lebewesen das ihn unergründlich Liebte war Zalima, seine Mutter. Doch würde diese niemals ihr eigen Fleisch und Blut in Ewigkeiten bannen, noch würde sie dabei eine Hilfe sein.

So wurde eine List ersonnen und Zalima vor den Rat gebeten. Man unterrichtete sie, über die Gewalt ihres Sohnes und über den einzigen Weg das Leben Biosfear’s zu erhalten. Wie man erwartete geriet sie außer sich vor Zorn, ihr Sohn sei irregeleitet und vom rechten Weg abgekommen, ein Bannfluch könnte niemals die Lösung, nur der Weg in weitere Qualen, sein.

Nun griff die List der Unsäglichen. Speis und Trank , welches man Zalima vorsetze war bereits ohne ihr Wissen mit dem Fluch versehen. Sollte ihr Sohn sie zum Opfer wählen würde er übergreifen, und der Bann wäre vollzogen.

Zalima ahnte nichts davon, doch graute ihr der Rat würde versuchen ihrem Sohn anderes Leid zufügen. So beschloss sie sich zur Flucht. Sie ließ alles Hab und Gut für ihren Mann und ihre Söhne zurück. Nur Marn nahm sie mit sich und flüchtete mit ihm in den Bergzug Nasgroth, welcher fern ihrer Heimat Schutz versprach.

Doch sie rechnete nicht mit der Mordlust ihres Sohnes, er tötete so oft er konnte. Oft Tiere, Vagabunden, Häuserlose. Zalima versuchte ihm zu Lehren die Liebe und das Leben zu schätzen und eine Zeitlang schienen diese Versuche zu greifen. Es war Zufall das sie, je weiter sie in das Gebirge vorstießen, immer weniger Lebewesen trafen und so wog sich Zalima in Sicherheit.

Doch Marns Mordlust war ungebrochen. Einzig und allein sein Instinkt bewahrte seine Mutter vor dem Tod. Er wusste das sie die Berge kannte, und auch den Weg zurück. Als er jedoch bemerkte dass ihn Zalima nicht in seine Heimat zurückbringen würde wuchs sein Groll.

Er wurde mürrisch, sprach wenig und folgte ihr antriebslos wo immer sie ihn hinführte. Eines Nachts als Zalima erschöpft von der Wanderung des Tages einschlief, stahl Marn ihren Dolch und rammte ihn ihr in ihr Brustbein. Tödlich getroffen öffnete seine Mutter ihre Augen und sah ihren Sohn voll Leid an. „Marn, mein geliebter Marn, ich versuchte dir die Liebe zu lehren. Das Leben zu schätzen. Doch habe ich versagt. So soll nun wenigstens des Rates Wunsch in Erfüllung gehen. Ich will hoffen, mein Gefühl täuscht mich nicht.“ Sie umarmte ihren Sohn und drückte ihne an ihren sterbenden Leib, der Messer glitt tief in ihren warmen Körper und zerschnitt das Herz.

Der Fluch sprang über, Marn wurde gebannt. In Ewigkeiten an das Herz seiner Mutter gebunden welches über Jahrhunderte versuchen möge ihm Liebe zu schenken.

So steht es geschrieben und so soll es sein. (Auszug aus der Bulkanischen Geschichte Band 1/Kap.12)

Der Beginn

In jedem Leben gibt es eine Zeit der Entscheidung, eine Zeit in der sich zeigen muss welchen Platz man im Leben einnimmt und was einem das Schicksal bereithält. Mich ereilte diese Zeit im zarten Alter von 12 Jahren.

Es war ein sonniger Nachmittag, daran erinnere ich mich. Das tägliche Kampftraining, an dem jeder Bulkan ab dem 4ten Lebensjahr teilnehmen muss, hatte ich mit Bravour für den Tag beendet und so zog ich ein wenig durch die Wälder die Rellatem, meine Heimat und Geburtstadt, umgaben.

Es war keine große Stadt, doch ich liebte sie. Die Großen Kriege waren vorüber, die Menschen hatten sich über Biosfear verstreut und in dieser kleinen Region war nie viel Schaden angerichtet worden. Wir waren in den Kriegen, zumindest die Väter meiner Generation, und nur wenige waren zurückgekehrt. So war die Bevölkerung Rellatem’s auf unter 50 Einwohner gesunken. Jeder kannte jeden, und half auch jedem.

Ich genoss die Stille des Waldes, die Sonnenstrahlen die mich wärmten, den süßen Gesang der Vögel in den Bäumen. Ein Bach plätscherte sanft vor sich hin und ich spürte wie Müdigkeit in meine Glieder kroch. Das Training war anstrengend, und wurde immer anstrengender. Die Schwerttechnik die ich erlernen sollte verlangte vollen Einsatz und volle Konzentration ich versuchte mein bestens doch merkte ich mir die Schlagabfolge nur schwer und vergaß zu oft die Deckung aufrecht zu erhalten. Was harte Schläge meines Lehrmeisters zur Folge hatte. Ich jammerte nicht, jammern ist eines Bulkan unwürdig. Und ich Beschwerte mich nicht. Mit 10 Jahren brach mir mein Lehrmeister ein Bein, die Schmerzen damals waren schlimmer und auch da ging nicht ein Wort über meine Lippen. Doch wenn ich, wie nun, einen Moment der Stille genießen konnte tat ich dies.

Ich musste eingeschlafen sein den plötzlich bemerkte ich die Stille die mich umgab. Kein Vogelgesang, der Bach war verstummt, selbst der Wind der sanft durch die Bäume strich wollte sich nicht hören lassen. Es wurde dunkel, keine Nacht, Wolken zogen vor die Sonne. Sehr leise konnte ich nun wieder Geräusche vernehmen, Schritte die sich mir näherten. Ich späte durch das Dickicht und konnte ein Paar erkennen das sich scheinbar genau auf meinen Standort zubewegte.

Ein ungutes Gefühl überkam mich. Es war eine Frau, schöner als alles was meine Augen jemals erblickten, und ein junger Mann. Er dürfte in meinem Alter gewesen sein doch er strahlte etwas Bösartiges aus das mein Herz mit einem kalten Griff umklammerte.

„Er ist der Tod“, flüsterte eine Stimme in mir. „Das Elend, das Leid, die Ungerechtigkeit. Halte dich fern von ihm, der das Leben verachtet.“

Die beiden hatten mich beinahe erreicht, unfähig mich zu bewegen sah ich sie auf mich zukommen. Als sie an mir vorbeigingen drehte die Frau ihren Kopf und sah mich an. Tränen rannen über ihre Wangen und sie blickte erschöpft. Als ich ihre Stimme vernahm war es wie ein helles Klingen direkt hinter meiner Stirn, sie bewegte keinen Augenblick die Lippen doch konnte ich klar vernehmen. „Er ist zurück, ich konnte ihn nicht halten. Verzeiht mir.“

Kaum ausgesprochen verschwanden die beiden, das Licht strömte zurück in die Welt und auch die Geräusche kamen zurück. Verstört blieb ich zurück. „Was war das“, fragte ich mich „Eine Vision? Ich bin kein Hohepriester, auch kein Schamane. Unmöglich, Geister sprechen nicht zu Kriegern!“

Ich beschloss dies für mich zu behalten. Mein Vater würde glauben ich hätte Traumkraut geraucht, ein Kraut das einem Träume beschert und schnell in den Wahnsinn treibt. Verbannung war kein leeres Wort, und ich wusste dass sie mir drohte sollte ich das Kraut auch nur anrühren. Also verschwieg ich den Vorfall und suchte ihn zu vergessen. Welch großen Fehler ich damit beging sollte ich erst später erkennen.

Visionen im Wind

Die Menschen brachten ein Sprichwort auf unseren Planeten. Ich mochte es immer sehr. Ja oft kam es mir selbst über die Lippen. Doch nun da ich ergraut bin und sich mein Leben langsam dem Ende nähert weiß ich voll Bitterkeit das es nicht stimmt. Die Zeit heilt nicht alle Wunden und sie hat es nie getan. Auch schenkt sie kein Vergessen, wie ich lange gehofft hatte. Ich mag alt sein doch die Erinnerungen suchen mich noch immer heim, begleiten mich. Besuchen mich beinahe jede Nacht. Erinnerungen an diesen Sommer, dem Sommer in dem das Töten begann.

Viele Sonnen waren vergangen seit dem denkwürdigen Nachmittag im Wald und ich hatte den Vorfall damals erfolgreich aus meinen Gedanken gestrichen. Die Erinnerung war da, aber ich dachte nicht weiter darüber nach. Es wäre auch vergeudete Liebesmüh gewesen, der Vorfall bestand nurmehr als Schemen in meinem Kopf als würde man nachts durch Nebel wandern.

Auch hatte ich diesen Frühling andere Dinge die mich beschäftigten. Meine Mannbarkeitsprüfung stand an. Der Tag an dem ich das Schülerdasein verlassen und in den Stand des Lehrlings kommen sollte. Ein Lehrling war nicht viel damals, man hatte kein Mitspracherecht in Ratsversammlungen, durfte aber sehr wohl anwesend sein ja es war sogar erwünscht, doch man durfte sich dem anderen Geschlecht nähern und Ale zu sich nehmen.

Es war eine große Ehre für Familie und Schüler wenn der Tag der Entscheidung näher kam und ich spürte das sich meine Familie bereits sehr darauf freute. Das ich bestehen würde war nur eine rethorische Frage, ich hatte meine Leistungen stark verbessert. Beherrschte den Schwertkampf tadellos, kannte die Sitten und den Umgangston für Festivitäten, wusste um unser Brauchtum und dessen Entstehung. Nein es war einzig mein Alter das mir noch im Weg stand. Nach den alten Statuten meines Volkes durfte man die Prüfung erst im sechsten Monat seines 14ten Jahres ablegen und eben darauf fehlte mir noch ein wenig Zeit.

So genoss ich die Zeit die mir noch als Schüler, frei jeder Verpflichtung, blieb und verbrachte meine Tage damit durch unsere Stadt zu schlendern und die Wälder darum zu erkunden. Es mag des Zufalls hand gewesen sein die mich wieder an den Baum führte, doch glaube ich dies nicht. Zufall ist eine Ausrede für Lebewesen die ihr Schicksal nicht annehmen wollen. Ich stand davor und plötzlich kamen die Bilder wieder in meinen Kopf, klar und deutlich als wäre es wieder dieser eine Tag.

Die Frau, der Junge an ihrer Hand geführt. Mehr noch die Bilder standen mir überdeutlich in den Augen. Das Kleid der Frau, einst mag es wunderschön gewesen sein doch nun hing es in Fetzen an ihr herab, die Füße wurden nicht durch Schuhe geschützt und waren Wundgelaufen. Der Junge sah nicht besser aus, abgetragene Hosen schlotterten um seine dürren Beine als hätten sie ihm noch vor kurzer Zeit gut gepasst, aus seinem Hemd waren scheinbar Stoffstreifen gerissen worden, diese entdeckte ich wieder um seine Füße gewickelt. Ein trauriger Anblick der mich tief rührte, zumindest für einen Moment. Dann spürte ich wieder diesen kalten Hauch der scheinbar von ihm ausging und alle Hoffnung, alles Glück, alles Gute aus meinem Geist brannte.

Unfähig einer Bewegung sah ich die beiden auf mich zukommen. Doch diesmal saß ich nicht an den Baum gelehnt am Wegesrand. Nein ich stand mitten am Weg, genau in ihrem Weg würde ich nicht umstehen. Panik ergriff mich, zwar wusste ich nicht warum doch war klar, würden sie mich erreichen würde ich diesen Wald wahrscheinlich nicht mehr verlassen können. Jedoch kam es anders. Immer näher kamen mir die bis uns nur noch ein Schritt trennte. Auf ein Kommando das ich nicht wahrnahm, oder das nie gegeben wurde blieben die beiden stehen.

Gespannt wartete ich was nun geschehen würde, ich versuchte die Panik die sich meiner mit immer härterem Griff annahm Herr zu werden. „Sei deine Klinge, töte mit deinem Geist, siege mit deinem Verstand. Sei deine Klinge, töte mit dem Geist, siege mit deinem Verstand.“ Das Mantra des Krieges, die Worte der Ruhe. Ich bettete sie herab, konzentrierte mich auf sie und es half. Langsam zogen sich die klammen Finger der Furcht aus meinem Geist und ich spürte Ruhe in mich einkehren.

Dann streckte die Frau langsam ihre Hand aus und alles betten war vergessen. Ich sah ihre Finger und ein Stöhnen war aus meinem Mund zu hören. Die Knochen waren von alter Haut umspannt, grausam standen die Knochen daraus hervor und als ich sah das auch ihr Unterarm, der durch die Bewegung ein Stück aus dem Ärmel hervorstand, nur aus Knochen und Haut zu bestehen schien wurde mir grausam Bewusst das diese Frau unmöglich noch am Leben war. Als ich den Blick hob um ihr Gesicht zu sehen wurde mir klar das ihr Gesicht, welches ich zuerst als wunderschön empfunden hatte, nur ein mit alter Haut überspannter Totenschädel war aus dem mich 2 leere Augenhöhlen hämisch anglotzten.

„Das war eben noch nicht!“, durchzuckte es mich, sie hatte Augen! Doch an diesen Gedanken verschwendete ich keine Zeit ihre Finger näherten sich meinem Gesicht und voller Panik versuchte ich mich zur Seite zu werfen. Es gelang mir nicht. Meine Füße waren scheinbar mit dem Boden verwachsen.

Ich ergab mich meinem Schicksal und schloss die Augen um meinen Schöpfern entgegenzutreten. Kein Gedanke verharrte noch auf meiner Mannbarkeitsprüfung, kein Gedanke an meine Familie. Mein Kopf war geleert, nur diese unerbittliche Furcht füllte mich aus.

Als ihr Finger mich berührte, auf dem Ansatz meiner Nase genau zwischen meinen Augen, durchzuckte mich ein Schmerz. Gewaltiger als alles was ich jemals erfahren habe und ich dachte, „So ist es also, so ist es zu sterben.“ Doch ich starb nicht, ganz im Gegenteil durchflutete mich eine Energie wie man sie nur aus Sagen kennt. Mein Körper straffte sich durch ihre Berührung, alle Muskeln schienen bis zum zerreißen gespannt, die Haare standen mir am ganzen Körper ab und mein Penis schien zu explodieren, zerrissen von der mächtigen Erektion die mich in sekundenschnelle packte.

„Siehe“, klang eine helle Stimme in meinem Kopf. Wunderschön, gottgleich. Und ich sah. Auf einem weiten Feld stapelten sich leblose Körper, achtlos aufeinandgeworfen. Feuer brannten und der gesamte Boden war blutrot. „Das Blut seiner Opfer wiegt schwer, das Blut das mein Sohn vergoss, das Blut der Vergangenen. Merke wohl und fasse dich. Seine Kraft erwacht, die Schlacht wird wiederkehren, sei gefasst, sei gewarnt.“ Die Bilder wirbelten durch mich hindurch, es waren tausende doch alle sahen sie gleich aus. Geschlagene Krieger, zerstörte Königreiche, der Tot in seiner reinsten und grausamsten Form.

Plötzlich verschwanden die Bilder aus mir. Gleichsam verschwand die Kraft aus meinem Körper und ich brach zusammen. Jede Faser meines Körpers schmerzte, Blut tropfte aus meinem Mund auf den weichen Waldboden. Doch die beiden waren verschwunden, der Boden wo sie standen war nicht niedergetreten, nichts zeugte davon dass sie jemals hier waren.

Verstört stand ich auf und machte mich auf den Weg zurück nach Hause. Mein Vater würde Rat wissen. Dies war zu groß, zu viel um es zu vergessen. Auch wenn es einigen Ärger geben könnte wusste ich instinktiv das ich nicht länger schweigen konnte, ja das ich vielleicht sogar schon zulange geschwiegen hatte.

So schnell mich meine Beine trugen rannte ich nach hause. Zugegeben es war nicht sehr schnell, jedes Mal wenn ich einen Fuß aufsetzte war es als würde mir ein sadistischer Kobold tausende Nadeln in das Fleisch treiben und Schmerzenstränen rannen mir über die Wangen. Als ich den Wald verließ und auf dem noch härteren Schotterboden der Strasse den ersten Schritt aufsetzte waren die Schmerzen so stark das ich stürzte. Qualvolle Minuten lag ich da, unfähig mich zu bewegen. Mein Körper schrie den Schmerz gen Himmel, meine Beine brannten heiß und ich bemerkte das aus den paar tropfen Blut die im Wald aus meinem Mund geronnen waren nun ein stetiger Fluss geworden war der bereits mein Hemd zur hälfte dunkel gefärbt hatte.

Als ich meine Zunge befühlte durchzuckte mich dumpfes Grauen, ich hatte die Spitze abgebissen und es bisher Nichteinmahl bemerkt, die Schmerzen in meinen Beinen hatten diesen überlagert. Nachdem ich mich wieder einigermaßen gesammelt hatte rappelte ich mich hoch und setzte meinen Weg nach Hause fort. Nun jedoch langsamer, würde ich nochmals stürzen könnte ich kaum noch aufstehen. Warum ich so entkräftet war konnte ich mir nicht erklären, auch schenkte ich dem keine sonderliche Beachtung und schob es auf meinen, momentan sehr verwirrten, Geisteszustand.

Der Weg blieb mir als der beschwerlichste meines Lebens in Erinnerung, nicht jedoch der schmerzvollste dieser sollte allerdings noch folgen. Bald folgen. Ich erreichte unser Haus als es bereits dunkel war. Luna stand als volle Scheibe tief über dem Dorf und spendete mir Licht als ich auf der verlassenen Strasse vor dem dunklen Haus zu stehen kam. Kein Licht brannte und ich fragte mich warum. Meine Eltern gingen nur selten aus, sie hätten sicher bescheid gegeben und selbst wenn sie fort waren, meine Schwester musste doch zuhause sein.

Die Tür war nicht versperrt, kaum jemand machte sich die Mühe es gab in unserer heilen Welt keine verbrechen die dies nötig machten, und ich trat in die kühle Dunkelheit des Lehmbaus ein. „Hallo“, rief ich halblaut in die Dunkelheit hinein doch niemand antwortete mir. Langsam durchsuchte ich Zimmer für Zimmer doch mein erster Eindruck hatte mich nicht getäuscht, ich fand unser Heim verlassen vor.

Als ich in der Küche ankam nahm ich mir kurze Zeit um mich auszuruhen, schwer ließ ich mich auf einen der Hocker fallen und sah mich um. Es war unordentlich hier, sehr unordentlich. „Rätsel um Rätsel“, dachte ich bei mir den meine Mutter war eine sehr ordentliche Frau, meist eine zu ordentliche Frau wenn es nach dem Willen eines jungen Bulkan ging der lieber draußen rumstreunen als sein Zimmer aufräumen wollte. Doch was ich hier sah war keine aufgeräumte Küche. Geschirr von mindestens einer Woche stapelte sich auf einen unsauberen Haufen zusammen. Essenreste lagen auf der Theke und die Schränke waren zum Teil aufgerissen und der gesamte Inhalt über den Boden verstreut. Was war nur geschehen in den wenigen Stunden die ich im Wald war?

Ganz egal wie seltsam die Umstände waren, mein Körper machte sich bemerkbar. Ein tiefes grollen machte sich aus meinem Magen bemerkbar und obwohl ich vor nicht allzu langer Zeit zu Mittag gegessen hatte verstand ich zumindest das. Drei Mahlzeiten pro Tag waren wohl das mindeste was man verlangen konnte. Zwar dachte ich nicht das ich mit meiner lädierten Zunge viel essen könnte, doch nach den ersten zaghaften Versuchen überkam mich ein Heißhunger der mich beinahe zwang alle Essenreste die ich fand zu verschlingen.

Ich war so in mein Mahl vertieft das ich die Gestalt nicht bemerkte die hinter mir stand, erst als ich alles aufgegessen hatte und mich mit gesättigtem Magen umdrehte um wieder Platz zu nehmen und auf meine Eltern zu warten bemerkte ich sie. Diesmal war sie allein, doch das linderte kaum den Schrecken der mich durchzuckte. Sie sah aus wie im Wald doch diesmal zauberte das diffuse Licht das im Haus herrschte schreckliche Schatten auf ihr verwüstetes Gesicht und im ersten Moment konnte ich noch nicht einmal schreien. Dann löste sich der Krampf in meinen Lungen und ich brüllte, all die Angst, die Schmerzen, die Ungewissheit bahnte sich plötzlich einen Weg nach außen und schien mir allein mit diesem Schrei die Lungen zu zerfetzen.

Völlig unbeeindruckt stand die Frau vor mir und hob wieder langsam die Hand. Doch diesmal wuchs ich nicht am Boden fest, diesmal sprang ich zur Seite und versuchte ihr zu entkommen. Schneller als ich es jemals für möglich gehalten hätte folgte sie mir mit ihrem Arm und zielte dabei unentwegt auf meine Stirn. Ich rannte aus der Küche auf die Treppe zu die zu meinen Gemächern führte. „Mein Schwert, mein Schwert!“, ein einzelner Gedanke so klar wie ein Sommermorgen stand hinter meiner Stirn, hätte ich erst mein Schwert könnte ich mich wehren, könnte sie vertreiben.

Immer noch mit starr ausgestrecktem Arm folgte sie mir langsam und als ich mich hastig nach ihr umblickte stolperte ich über etwas. Als ich aufkam wusste ich schon das mein Arm gebrochen war, noch bevor ich das trockene Knacken des Knochens hören konnte raste der Schmerz durch meinen Arm. Ich schrie abermals auf, versuche aufzustehen und lehnte mich dabei auf den gebrochenen Arm. Schmerz! Gnadenlos, heiß durchzuckte er mich, lähmte mich. Nur noch halb bei Bewusstsein lag ich auf dem Boden, mein gesunder Arm berührte die unterste Stufe. Als ich mich umsah stand sie über mir, sah auf mich herab. Langsam, als würde sie das Grauen in meinen Augen genießen, beugte sie sich zu mir herab und legte ihre Hand auf meinen Arm, auf den gebrochenen Arm. Ihre Hand umschloss meinen Oberarm an der Bruchstelle und ich schrie wieder auf. Ich konnte nicht anders, der Schmerz war unerträglich, raubte mir den Atem. Der Knochen rieb an der Bruchstelle, bohrte sich in mein Fleisch. Leise keuchend lag ich da, sah sie an und bettete das nun alles schnell gehen möge. Das mich der Tod holen möge ehe es diese Karikatur eines Lebewesens tun würde.

Doch plötzlich ließ der Schmerz nach, wurde leichter und verschwand schließlich gänzlich nur ein leichtes ziehen blieb zurück. Verwundert blickte ich zu ihr auf und ein Lächeln versuchte sich auf ihre eingefallenen Wangen zu stehlen. Das sie dabei halbverfaulte Zähne offenbarte ließ das ganze noch schrecklicher erscheinen. Unbemerkt hatte sie derweil ihren zweiten Arm gehoben und während sie meinen Arm losließ stieß sie den anderen nach vor an meine Stirn.

Diesmal durchzuckte mich keine Kraft, kein Schmerz, keine Erektion. In nur einer Sekunde sah ich die Wahrheit. Bilder, mehr als ich jemals erfassen konnte, durchzuckten mich, Stimmen drangen auf mich ein. Sie erzählten eine Geschichte, ihre Geschichte, Zalima’s Geschichte und die Marn’s. Sie endete damit als sie mich im Wald das erste mal traf dann schwiegen die Stimmen und die Bilder wurden langsamer. Jedoch wurden sie auch ungleich gewaltvoller. Nach und nach sah ich Leichen. Bulkanleichen vorwiegend doch auch tote Tiere. Ratten, Kaninchen und kleine Vögel vorwiegend. Sie alle waren in einem gleich, angebunden hängten sie auf Bäumen, den Kopf der Erde zugewandt, die Bäuche aufgeschlitzt und ausgeleert was sich in ihnen befunden hatte lag unter den Leichen in der Wiese verstreut.

Beim letzten Bild packte mich das Grauen tiefer und härter als man es jemals empfinden mag. Ein kleines Mädchen, eine Bulkan, mit golden gelocktem Haar keine 10 Sommer alt. Ihr einst so süßes Gesicht, das mich nur allzu oft angestrahlt hatte, in ewiges Grauen verzerrt. Ich kannte sie, es war meine Schwester Damiana.

Die Frau verschwand doch es war mir gleichgültig, ich lag auf dem Boden und Tränen rannen aus meinen Augen. Auch dies war mir nun gleichgültig. Ihre letzten Worte hallten noch durch meinen Kopf. „Er hat begonnen. Er wird es wieder tun. Vernichtet ihn, noch ist er schwach.“, und zuletzt das Grausamste, das was drohte mir den Verstand zu rauben. „Er lässt sie dabei leben, er lässt sie alle leben!“


Zwischenspiel: Damiana

Es war dunkel in ihrem Zimmer und doch konnte Damiana kein Auge zutun. Sie war geplagt von Sorgen, die generell gesehen, viel zu groß für ihren jugendlichen Geist waren. Matt, ihr Bruder, wurde vermisst. Schon seit 4 Tagen hatte man nichts von ihm gehört oder gesehen und auch die losgeschickten Suchtrupps hatten keine Spur von ihm gefunden. Sonderlich besorgt war sie nicht. Nein, das war auch nicht nötig, Matt konnte gut auf sich selbst aufpassen. Wie hatte er ihr doch noch vor wenigen Tagen gesagt: „Dami“, sie hasste diesen Namen und trotzdem, oder vielleicht eben deswegen, wer mochte seinen großen Bruder schon verstehen, nannte er sie oft so „Dami, wenn ich erst die Prüfung hinter mir habe, zeige ich dir den Wald.“ Und das würde er auch tun, das musste er tun. Es war ein Versprechen und die durfte man nicht brechen, also musste er auch zurückkommen. So einfach war das.

Der Wald war ihr verboten, war sie doch noch eine Mindere, zu jung hieß es immer wenn sie danach fragte. Im Wald gab es gefährliche Tiere und schon manche waren nie wieder daraus zurückgekehrt. Doch er zog sie magisch an, die hohen Bäume die sich majestätisch im Wind bewegten. Einmal war sie ganz nah rangekommen, vor einer Woche war das, und es war ihr, als riefe sie eine Stimme. „Komm, komm, komm her meine Kleine. Lass uns spielen, gar schöne Spiele spielen wir. Gar viel Spaß haben wir.“ Eine Kinderstimme eindeutig, vielleicht so jung wie sie, wahrscheinlich jünger. Die Verlockung war groß und wäre Matt nicht neben ihr gestanden, wäre sie ihr gefolgt. Sicher.

Sie hatte damals nichts gesagt. Matt war in Gedanken versunken, wie er es in letzter Zeit oft war, er suchte es vor ihr zu verheimlichen, das spürte sie. Doch wirklich gelungen war es ihm nie, etwas bedrückte ihn aber sie schob es auf die Prüfung. Er tat dies zwar immer mit einem Lachen ab: „Die Prüfung ist eingesackt.“, pflegte er zu sagen, doch dass es anders war, wusste selbst sie, mit ihren wenigen Jahren. Die Prüfung, mehr brauchte man nicht erwähnen und ein jeder Bulkan wusste worum es sich drehte. Leben als Krieger, oder die Verstoßung aus der Dorfgemeinde. Die größte Entscheidung, der man entgegentreten musste. Dass ihn das nicht berührte, konnte er ihr nicht erzählen.

Nun jedoch, da sie auf ihrer Pritsche in dem gar so dunklen Zimmer lag, quälten sie andere Dinge. Leise konnte sie ihre Eltern hören, die sich im Nebenzimmer unterhielten. Über ihren Bruder, sicher. Und über den alten Gols. Diese Geschichte war schon viel seltsamer, und sie hatte nur am Rande mitbekommen, was mit ihm geschehen war. Scheinbar war sie dafür wirklich noch zu jung, denn die Erwachsenen unterbrachen sofort ihr Gespräch, wenn sie das Zimmer betrat. Doch sie hatte gelauscht, natürlich hatte sie das.

Der alte Gols, der den kleinen Laden bis vor kurzer Zeit geführt hatte, war immer ein netter Kerl gewesen. Wenn er sie sah, hatte er immer ein paar Süßigkeiten in einer seiner vielen Taschen gehabt, immer ein Lächeln für das kleine Mädchen über. Er war, für einen Bulkan, sehr klein aber dafür genauso breit. Auf dem imposanten Körper saß ein ebenso runder Kopf, dessen Haare bereits grau wurden und langsam ausfielen.

Nun war er tot. Das wusste sie, immerhin hatte sie gelauscht. Sie hatte nicht viel erfahren, doch genug, dass sie wusste, er würde nie wieder sein schallendes Gelächter hören lassen, sie nie wieder auf den Arm nehmen um mit ihr durch die Strassen zu rennen. Es tat ihr leid, dass der Alte weg war, doch ihr Bruder fehlte ihr noch mehr. Er war ihr Bruder wie könnte sie ihn nicht vermissen.

„Dami!“, leise, unter ihrem Fenster. Matt? Es war seine Stimme, sicher war sie das, die kannte sie doch. „Dami, sei leise, komm ans Fenster, schnell!“ Wie der Wind sprang sie aus dem Bett. Matt, er war es wirklich, Matt ihr Bruder. Jetzt, wo sie seine Stimme hörte, realisierte sie erst wie sehr er ihr gefehlt hatte. Sie verhedderte sich in ihrem Nachtgewand und stürzte mehr aus ihrer Pritsche, als dass sie aufstand. Die Gespräche ihrer Eltern verstummten kurz und halb im Bett, halb auf dem Boden liegend, wartete sie ab, ob sie kommen würden. Doch sie setzten das Gespräch fort, gut. Langsam schlich sie zum Fenster. Es war noch nicht heiß wie im Sommer, doch bereits warm genug, um das Fenster über Nacht offen stehen zu lassen, sie lehnte sich hinaus und versuchte etwas zu sehen.


„Schnell Dami, komm herunter, ich möchte dir etwas zeigen.“

„Ich zieh mir nur schnell etwas an, warte kurz!“

„Keine Zeit, Dami, schnell es eilt. Es ist im Wald. Es ist wunderbar. Wir spielen zusammen und es gibt süßes vom alten Gols, du kennst ihn doch! Beeil dich und lass dich nicht erwischen!“

Das war zuviel für sie, ihr Bruder stand da unter ihrem Fenster uns wollte sie zu den Kindern im Wald bringen, er hatte sie also doch gehört. Noch dazu gab es Süßigkeiten vom alten Gols, wie sollte sie da nein sagen. Schnell wie der Wind, doch leise wie eine Maus, schlich sie über die Treppe. Verharrte kurz auf dem Absatz, an dem ihr Bruder am nächsten Abend stürzen würde, doch davon wusste sie noch nichts, würde es nie wissen. Und schlich dann behände zur Tür hinaus.


„Matt, wo bist du?“

„Hier Dami, komm schnell, wir müssen uns beeilen!“

Ein Schatten im Halbdunkel der Nacht. Etwas störte sie, es war kalt hier. Kälter als es am Fenster war. Für einen Moment stutzte sie. War das wirklich ihr Bruder? Sie dachte kurz an den alten Gols. Der nun tot war. Doch dann siegte ihre jugendliche Unvernunft und die Liebe zu ihrem Bruder. Sie folgte dem Schatten, der vor ihr durch die dunkle Strasse ging und versuchte zu ihm aufzuschließen. Doch er fing an zu laufen, sie hatte Mühe ihm zu folgen. Schnell rannte er durch die Strassen, bog ab und an ab, und verließ nach kurzer Zeit die Strasse. Über eine Anhöhe folgte sie ihm Richtung Wald.

„Langsamer Matt, ich kann nicht mehr!“, keuchte sie erschöpft, doch er wurde nicht langsamer. „Wir sind fast da, nun komm schon Kleine!“ Wieder stutzte sie, der Ton war gereizt. Matt hatte sie nie so angeschnauzt. Doch es war zu spät, im Wald sah sie ein kleines Feuer brennen und sie hörte wieder die lachenden Kinderstimmen. Sie folgte ihm.

Am nächsten Morgen fand man sie, der Suchtrupp war bald aufgebrochen. Nicht für sie, für Matt der noch immer vermisst wurde. Nah am Waldrand, an eine Astgabel gebunden und ausgeweidet wie ein erlegter Hirsch. Auf ihrer Stirn ein Wort, in Blut geschrieben. Stärker! Die Männer bekreuzigten sich, das universelle zeitlose Zeichen des Glaubens.

„Dunkle Zeiten brechen an für uns“, sprach Nahardim, einer der Ältesten. Er war auch dabei, als man den alten Gols gefunden hatte, auch er war ausgeweidet, auch ihm war etwas auf die Stirn geschrieben. „Dunkle Zeiten brechen an für uns“, doch die anbrechende Dunkelheit sollte selbst ihm das Grauen lehren.


P.S.: zwischenspiel ist kein eigenständiges kapitel (und wird daher auch nicht durchnummeriert) und kann beim lesen ausgelassen werden ohne den fluss der geschichte zu stören. allerdings bietet es auch informationen zu hintergründen, orten oder begebenheiten die man in der geschichte selbst nicht bekommt. man könnte es sogesehen auch als fussnote bezeichnen auch wenn der umfang zumeist etwas grösser als eine solche ausfallen wird. ich werde diese möglichkeit ab und an nutzen wenn ich dazu notwendigkeit sehe....hoffe es gefällt

Nachts

Hoffnungslosigkeit kroch in mein Herz. Damiana. Dami. Wie konnte es das geben, wie konnte ihr jemand so etwas antun? Wenn es in diesem Universum ein unschuldiges Leben geben mochte war es ihres, so jung, so unbefangen wie sie waren noch nicht einmal die Vögel die den weiten Himmel nach Nahrung absuchten. Doch ich schenkte den Bildern in meinem Kopf glauben, es war mir unmöglich ihnen zu entrinnen. Über all dem Schmerz den mein Körper verursachte stand dieses Brennen das meine Seele zu vernichten schien. Ich krümmte mich zusammen wo ich lag, suchte Geborgenheit, suchte Vergessen.

Der Schlaf kam schnell, gnadenlos zog er mich in die unergründlichen, traumlosen Tiefen die man nur durch absolute Erschöpfung erreichen konnte. Doch ich träumte, es musste ein Traum sein was ich spät nachts erlebte. Der Mond war gewandert und stand nun tief am Horizont. Sein fahles Licht, das durch ein Fenster fiel, erleuchtete die Küche spärlich und dort, wo ich selbst noch vor wenigen Stunden saß, hockte nun jemand. Eiskaltes Grauen packte mich als ich sah wer es war.

„Sieh an, unser Freund erwacht“, kalt, voll triefendem Hohn, mir wurde bewusst das es das erste mal war das ich Marn sprechen hörte und er sprach, keine Stimme in meinem Kopf, seine Lippen bewegten sich, ich konnte ihn hören, zu gut hören. „Du dachtest wohl ich würde dich vergessen?“. Langsam stand er auf und ich sah das er nicht größer war als ich, gleichgroß bestenfalls, wenn nicht kleiner.

„Wie könnte ich, wie könnte ich den Freund meiner Mutter vergessen, Sterblicher.“, er spie mir das Wort entgegen und mir wurde eiskalt. Er hasste mich, abgrundtief, tödlich. Doch warum? Was hatte ich ihm angetan das ich diesen Hass verdiente? Diese Fragen konnte ich später beantworten vorerst musste ich hier weg, am besten sehr schnell weg. Ehe ich mich bewegen konnte schoss sein Arm in die Luft und augenblicklich spürte ich wieder dass ich mit dem Boden verwuchs. „Versuch es noch nicht einmal Sterblicher du hast keinen Weg mehr, kein Morgen. Du bist mein, es gibt keinen Ausweg!“

Mit zwei großen Schritten stand er vor mir, sah auf mich herab. „Doch sei beruhigt. Deine Schwester wartet bereits auf dich. Wartet auf dich wo die Kinder spielen. Sie weint im dunkel der Nacht. Komm und lindere ihren Schmerz. Komm zu mir!“ Marn beugte sich herab und ich konnte seinen verfaulten Atem wahrnehmen. Seine Augen blitzten vor irrer Mordlust als er mich musterte. „Ich sehe warum sie dich will.“, einige Sekunden verharrte er und es war mir als kroch ein Schatten über sein Gesicht. „Ich sehe es, doch du bist mein, Sterblicher. Du wirst mir helfen, wirst mich stärken.“

Hinter seinem Rücken zog er einen Dolch hervor und führte ihn vor meine Augen. „Sieh ihn, Sterblicher. Erkennst du das Blut?“ Dami, schoss es mir durch den Kopf, oh ihr Götter wie könnt ihr so grausam sein. „Ich sehe erkennen und wahrlich, sie war es. Sie hat gebettelt Sterblicher, verstehst du? Auf Knien hat sie um ihr Leben geflennt als sie die Kinder sah, als sie den alten Gols sah. Ist das eures Stammes würdig Sterblicher? Ist es eines Bulkans würdig?“ Sein Spott war beinahe greifbar, er genoss es mich leiden zu sehen. Genoss den Schmerz den ich empfand, zog seine Energie aus meinem Leid. „Genug der Worte Sterblicher, nicht wahr? Komm ans Lagerfeuer, komm zu uns!“ Die Hand mit dem Dolch stieß auf mich herab und rasende Pein breitete sich von meinem Bauch über den ganzen Körper aus. Doch noch etwas geschah als der Dolch meine Haut durchstieß. Ein Brennen, heiß, doch nicht schmerzhaft breitete sich langsam pulsierend von der Bruchstelle meines Armes aus. Ich versuchte mich nur auf dieses Gefühl zu konzentrieren doch die Pein die der Dolch verursachte war immens. Die Zähne zusammengebissen versuchte ich an nichts zu denken, das Ende mit Würde hinzunehmen.

Marn hielt inne. Etwas in seinem Gesicht veränderte sich, der selbstsichere Ausdruck schwand um etwas anderem Platz zu machen. War es Angst die ich, durch den Schleier des Schmerzes und der nahenden Ohnmacht, erkannte. „Du Hexe!“, er sprach nicht zu mir, sein Gesicht war emporgereckt, Sehnen standen ihm daumendick aus dem Hals hervor als würde etwas seine gesamte Kraft in Anspruch nehmen. „Du Hexe, nicht diesmal, nicht noch einmal, nie wieder! Lass ihn gehen! Er ist mein!“ Die letzten Worte brüllte er gegen die Zimmerdecke, all der Hohn war gewichen. An seine Stelle war Schmerz getreten und Angst. Eindeutige, klare Angst wie ich sie an diesem Tag so oft selbst erfahren musste.

Das Pulsieren hatte inzwischen meinen gesamten Oberkörper ergriffen und ihn betäubt. Die sengende Hitze des Todes war einem kühlem Gefühl des Glücks, der Zufriedenheit gewichen. Alle Angst war von mir gefallen und fasziniert beobachtete ich die Verwandlung die Marn durchwanderte. Das zuvor jugendliche Gesicht fiel in sich zusammen, Falten bildeten sich die immer tiefer wurden, der Glanz aus seinen Augen verschwand. Mit einem Aufschrei der puren Qual zog er den Dolch aus meinen Leib.

„Diesmal Sterblicher“ erschöpft flüsterte er in mein Ohr. „Diesmal Sterblicher gewinnt ihr, doch ich komme wieder. Verlasse dich drauf! Du bist mein!“ Wie ein alter Mann erhob er sich, all die Kraft schien aus seinem Körper gewichen. Stehend blickte er auf mich herab. „Für dich Sterblicher. Ein Geschenk deiner Schwester, viel Freude daran!“ Er warf etwas zu mir. „Bis bald Sterblicher. Bis bald!“ Dann drehte er sich um und verließ mich. Kurz darauf konnte ich die Tür zufallen hören und es wurde still. Stöhnend griff ich mir an den Unterleib wo ich noch immer das heiße Brennen des Dolchstiches spüren konnte. Zu meiner Verwunderung konnte ich kaum Blut ertasten geschweige den einer Wunde. Dann fiel ich in Ohnmacht. Schwärze empfing mich mit samtenen Händen.

Böses Erwachen

Als ich erwachte lag ich auf meinem Lager und verwundert sammelte ich mich. Ich war nackt und an vielen Stellen meines Körpers spürte ich stramme Verbände. Der scharfe Geruch von Bachsiamkraut, ein Kraut das die Wundheilung beschleunigte, stieg mir in die Nase und an meiner Zungenspitze konnte ich den bitteren Geschmack des selbigen wahrnehmen.

Sehr behutsam öffnete ich meine Augen und sah mich um. Mein Zimmer, eindeutig. Die Tür stand offen und im Nebenraum konnte ich meine Eltern leise reden hören. Meine Mutter schluchzte ab und zu doch mein Vater redete beharrlich auf sie ein, wurde lauter und wieder leiser, fluchte und schimpfte doch er hatte seine Stimme immer so weit gesenkt das ich nur ein Murmeln verstand. Ich versuchte aufzustehen, und vermochte es nicht. Als ich an mir hinunterblickte sah ich das die festen Verbände die ich gespürt hatte unter mein Lager führten. Festgebunden. Warum hatten sie mich festgebunden? „Vater? Mutter?“, rief ich halblaut und augenblicklich verstummten die Stimmen im Nebenzimmer.

Mein Vater betrat mein Zimmer und ich erschrak. Das war nicht der stolze Bulkan den ich kannte. Er wirkte erschöpft, ausgelaugt. Sein Gang den ich immer aufrecht gekannt hatte war nun gebückt, tiefe Ringe lagen unter seinen Augen und Sorgenfalten hatten sich in seine Stirn eingegraben. Der Mann der nun vor mir stand konnte unmöglich mein Vater sein, er wirkte um mindestens 10 Jahre gealtert.

„Schande und Schmerz hast du uns gebracht.“ Er sprach mühsam, quetschte beinahe jedes Wort aus seinen zusammengepressten Lippen. „Warum? Diese eine Frage beantworte mir Sohn, beantworte sie solange du dich noch so nennen darfst!“ Ich hörte die Worte, doch verstand ich sie nicht. Was war vorgefallen das ich Schande in mein Haus brachte? Was hatte ich getan? Hatte ich zulange geschwiegen? War es das, hatte Marn sich offenbart? Wussten sie von meinen Visionen?

„Vater…“, selbst in meinen Ohren hörte es sich schwach an, müde. Beinahe so wie mein Vater aussah. Als ich in seine Augen blickte brach ich ab, ein Glänzen hatte sich in ihnen breit gemacht und schnell rannen Tränen über seine Wangen. „Warum Matt, deine eigene Schwester unser Blut, unser Fleisch.“ Seine bisher heisere Stimme schwoll an zu einem kraftvollen Brüllen, voll Zorn. „Warum hast du das getan?“

Fassungslos lag ich auf mein Lager gebunden und konnte ihn nicht verstehen. Ich? Ich soll meiner Schwester Leid angetan haben? Sie aus dem Haus gelockt und ermordet haben? Das soll ich verbrochen haben? Wut packte mich, tief und hart spürte ich sie kochen. Ein beinahe körperlicher Schmerz. Marn du Ausgeburt der Dunkelheit was hast du mir angetan?

„Der Rat erwartet dich.“ Während ich in Gedanken versunken gegen die Decke gestarrt hatte fing sich mein Vater wieder, kämpfte um seine Fassung und als er so vor mir stand wusste ich es. Keine Eingebung, keine Vision, nur das angelernte Wissen eines jungen Bulkans dessen Vater sich darauf einstimmte seinen Sohn zu verbannen.

Immer wusste ich dass mein Vater schnell war mit der Klinge. Einer der besten wie ich, nie ohne Stolz in der Stimme, oft meine Lehrer hören ließ. Doch ich hatte nie eine Idee wie schnell er wirklich war. In einer einzigen geschmeidigen Bewegung zog er Seele, sein Schwert, aus der Scheide, schnitt meine Fesseln durch und stoppte das Schwert unter meinem Kinn. Wäre ich älter gewesen und bereits einen Bart besessen hätte dieser Hieb ihn beschnitten. Eiskalt kam mir ein anderer Gedanke in den Kopf, eindeutig Marns Stimme und eindeutig amüsiert, wärst du älter hätte die Klinge nicht gestoppt.

Es wäre sein Recht gewesen mich zu töten. Er war mein Vater wer hätte ihm dieses Recht nehmen können. Doch war es unüblich bei Minderen, zu denen ich eindeutig noch zählte, die Todesstrafe anzuwenden. Allerdings war ich mir kurze Zeit nicht sicher was er tun würde. Ich fürchtete den Tod nicht und doch spürte ich dass es zu früh war. Es gab etwas zu tun und ich spürte, wenn ich es auch nicht verstand, dass ich dies tun müsste. So sprach ich ein Stoßgebet Jedoch nicht zu den Göttern, Götter die zuließen das kleine Schwestern sterben mussten würden mir in dieser Lage wohl auch nicht zu Hilfe eilen. Ich betete zu Zalima.

Hätte mich jemand gefragt warum ich dies tat hätte ich es ihm nicht beantworten können. Es schien einfach das Rechte zu sein. Immerhin verdankte ich ihr die Lage in der ich mich befand, war es nun nicht Recht das sie mir wieder heraushalf? Ob ich mein Leben dem Gebet oder der Vernunft meines Vaters verdankte konnte ich nicht sagen doch die Klinge begann zu zittern und verschwand kurz darauf ebenso schnell in ihrer Scheide wie sie daraus hervorgesprungen war.

„Beeile dich, der Rat wartet nicht gerne!“ Mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand mit einem großen Schritt aus meinem Zimmer wo er wieder eine halbgeflüsterte Unterhaltung mit meiner Mutter begann.

Zaghaft erhob ich mich und ging unruhig in meinem Zimmer auf und ab. Welche Möglichkeiten hatte ich nun? Flucht? Ein leises Lächeln stahl sich auf meine Lippen als ich mir bildlich vorstellte wie mich mein Vater durch die Strassen hetzte. Das Lächeln verschwand jedoch als ich mir vorstellte was folgen würde, dem Rat zumindest würde ich nicht mehr gegenübertreten.

Mein Schicksal annehmend zog ich mich langsam an. Danach blickte ich mich in meinem Zimmer um, wahrscheinlich das letzte Mal und ging zu meinen Eltern. Meine Mutter saß mit dem Rücken zu mir doch als sie mich eintreten hörte drehte sie sich so ruckartig um das sie beinahe mit dem Stuhl umgestürzt wäre. Wenn ich bei dem Anblick meines Vaters erschreckte so schmerzte mich ihrer umso mehr. Mein Vater war scheinbar gealtert, für sie fehlten mir die Worte. Der Schmerz hatte sich so tief in sie eingegraben das er ihre schönen Züge beinahe zerstört hatte, vor mir saß eine Frau. Doch ich erkannte sie beinahe nicht.

„Gehen wir.“ Mein Vater stand, wie ich bereits vermutet hatte, am Fenster. Wodurch er einen Überblick über unsere Hausfront hatte und wodurch er einen Fluchtversuch meinerseits sofort bemerkt hätte. Er setzte sich in Richtung Treppe in Bewegung und ich folgte ihm. Als ich den Raum verließ kam mir eine Idee und ich drehte mich zu meiner Mutter zurück.

„Was immer sie dir sagen. Ich war es nicht. Mutter. Sie mich an, mich deinen Sohn! Mutter, ich liebe dich und ich liebte Dami. Jeden Augenblick meines Lebens“ Als ich den Namen meiner Schwester erwähnte bröckelte die Maske meiner Mutter ab und all ihre Verzweiflung brach hervor. Sie sprang auf und strauchelte kurz doch fing sich schnell wieder und sprang zu mir. Sie nahm mich in den Arm, weinte an meiner Schulter und fuhr mir andauernd mit ihren zarten Händen durch meine Haare. Sie versuchte ein paar Worte zu sprechen doch durch ihr Schluchzen konnte ich sie nicht verstehen.

Mein Vater packte mich an den Schultern und zog mich von ihr weg. Als sie uns nachlaufen wollte stieß mein Vater sie hart gegen die Brust worauf sie zu Boden fiel. „Wir haben darüber geredet Weib. Nimm es hin es gibt keine Wahl.“ Er zog mich die Treppe hinunter und aus dem Haus hinaus. Es war nicht das letzte Mal das ich meine Mutter gesehen habe doch ich wünschte es wäre so gekommen. Als ich Abschied von ihr nahm hängte sie kopfüber an einer Dachstrebe im Ratsgebäude, auf ihrer Stirn ein Wort in Blut. Gewachsen.

Der Ratsspruch

Geschichten und Gerüchte haben eines gemeinsam. Sie verbreiten sich mit rasender Geschwindigkeit. Wie schnell das gehen konnte erfuhr ich auf dem Weg zum Ratsgebäude. Die Leute tuschelten als ich mit meinem Vater an ihnen vorbeikam. Doch das war es nicht was mich bekümmerte. Leute tuscheln seit jeher und werden es immer tun, gleich welchem Stamm, gleich welcher Rasse sie angehören. Es war ihr Verhalten das sie mir gegenüber an den Tag legten das mich bekümmerte.

Mein Vater ging hinter mir durch die Strasse, sein Schwert lastete schwer auf meiner rechten Schulter. Das Brandmal wie es genannt wurde, das Zeichen das ich meine Familie in Unehre gebracht habe, das ich ein Verstoßener bin. Ich blickte die Leute an und es war mir als wäre die Welt wie ich sie kannte untergegangen. Kein freudiges Lachen war zu hören, keine Kinder waren auf der Strasse. Sie deuteten auf mich als wäre ich ein seltenes Tier das mein Vater zur Schau stellte. Doch konnte ich es ihnen nicht einmal verübeln, nicht oft wurde jemand verstoßen und ich war mir im Klaren das ich das Stadtgespräch der nächsten Wochen sein würde.

Der Weg zum Ratsgebäude war nicht sehr lang und so standen wir nach kurzer Zeit vor den schweren Toren. Mein Vater nahm das Schwert von meiner Schulter und klopfte. Sofort öffneten sich die Tore von innen, wir wurden also erwartet. Ich trat ein und blickte mich um, es war das erste Mal das ich dem Rat gegenübertrat, einem Minderen war es nicht gestattet. Es sei den wie in meinem Falle dass man verstoßen wurde.

Das Gebäude bestand aus einem einzigen, kreisrunden Saal dessen Wände mit schwerem Eichenholz getäfelt und mit Bildern großer Bulkan geschmückt war. Ich erkannte einige aus dem Unterricht, Bulkanische Geschichte war kein Hauptfach wurde aber dennoch ernst genommen, doch die meisten waren mir fremd. Gegenüber der Tür befand sich der Ratssitz, eine hohe Theke hinter der die 10 Ältesten und die 5 Ratsmitglieder thronten. Sie würden entscheiden ob ich verbannt oder dem Tode geweiht werden sollte.

Als ich den Saal betreten hatte erhob sich Sirlon, der Ratsvorsitzende, und deutete mir an Platz zu nehmen. Ich nahm die 8 Schritte zur Angeklagtenbank und setzte mich, das Schauspiel konnte beginnen.

Sirlon blickte mich lange eindringlich an, danach ließ er seinen Blick über die Ratsmitglieder schweifen und seufzte schwer. „Nun den, ich sehe wir sind anwesend. Möge die Anhörung beginnen.“ Er wandte sich wieder mir zu und musterte mich abermals. „Finn, junger Finn. Wie sehr es mich schmerzt dich hier sehen zu müssen. Ich kenne dich seit du ein kleiner Junge warst und gerne würde ich vergessen was geschah doch deine Schuld lastet schwer auf unseren Schultern und dem Recht muss entsprochen werden.“

Ich war verwirrt. Diese Worte entsprachen so gar nicht dem Protokoll das ich erwartet hatte das ich abermals überlegte was, und vor allem warum, mir den eigentlich zu Last gelegt wurde. Da Sirlon bereits das Protokoll verlassen hatte beschloss ich es ihm gleichzutun. Ich erhob mich, das Zeichen das ich um das Wort bat, und sprach. „Sirlon, großer und weiser Bulkan, Ratsherr, Ältester und Vorsitzender des ehrenwerten Gerichts.“ Die standesgemäße Anrede, die mir von Kindesalter eingetrichtert worden war, die ich allerdings noch nie gebraucht hatte. „ Ich sehe euch hier in Trauer und verstehe sie nicht. Ich sehe euren Kummer und verstehe auch ihn nicht. Ich bitte euch, wie ich hier vor euch stehe, erklärt mir euren Groll und den Grund warum ich euch Scham und Schande bringe.“

Die Worte verhallten in der Halle und ich wartete auf eine Reaktion, doch es folgte keine. Sirlon blickte mich einfach an und es war mir unmöglich seinen Blick zu deuten. Minuten vergingen, niemand sprach. Die Luft wurde scheinbar dicker als würde sich die Anspannung aller Anwesenden in feste Materie verwandeln. Dann endlich brach das Schweigen, doch nicht Sirlon oder ein anderes Ratsmitglied brach es. Es war mein Vater der sich erhoben hatte.

Ich hatte ihn kaum noch beachtet seit wir im Rat angekommen waren, hier hatte er kein Sprachrecht auch wenn er mein Vater war und doch erhob er nun seine Stimme. „Hoher Rat, wir kennen die Taten dieses Entehrten und mit Schmerz muss ich eingestehen das auch mein Fleisch von ihm verdorben wurde. Ich bitte euch, nehmt diese Bürde von meinen Schultern, lasst Gerechtigkeit an die Stelle idyllischer Erinnerungen treten. Sprecht euer Urteil.“ „Wohl Dionis“ antwortete Sirlon. „Dein Verlust ist groß, dein Schmerz unermesslich. Wir verstehen deinen Groll gegen ihn, der dein Sohn war und deine Tochter nahm. Der Rat ist sich eins das Urteil soll gesprochen werden!“

Ich war gespannt, dies war der Moment der zeigen sollte ich Leben oder Sterben sollte. Nun würde sich offenbaren was mir zur Last gelegt wurde. Sirlon wandte sich zu mir. „Matt, großen Schmerz, viel Trauer, viel Schand hast du zu uns gebracht. Aufgrund der Tatsache das du 4 Tage und Nächte verschwunden warst und uns 4 ehrenwerte Mitglieder unserer Dorfgemeinschaft auf brutale und hinterhältige Art entrissen wurden.“ Er redete weiter doch ich hörte es kaum 4 Tage? 4 Nächte? Was genau ging hier vor, ich war doch nur einen Tag im Wald gewesen, war ich? Ich entschloss ihn zu Ende sprechen zu lassen und dann das Wort zu erheben. „Am fünften Tag wurdest du gefunden im Haus deiner Eltern. Besudelt mit dem Blut deiner Opfer, den Dolch deines Vaters in den Händen, bedeckt mit dem Nachtkleid deiner eigenen Schwester.“

„Für dich Sterblicher. Ein Geschenk deiner Schwester, viel Freude daran!“ Marns Worte stießen durch meinen Kopf, verursachten einen Schmerz den er mir mit dem Dolch nicht zuzufügen vermocht hatte. Nun wusste ich auch dass alle Argumente, die ganze Geschichte, meine Visionen mein Ansehen nicht wieder herstellen konnten. Es war zu spät, zumindest diesen Sieg konnte Marn für sich verbuchen. Geistig abwesend ließ ich Sirlons Sermon über mich ergehen und wartete nur noch auf das Urteil.

„All dies hat uns, den Rat und die ehrenwerten Ältesten, dazu bewogen dein Leben zu schonen. Doch seiest du Verstoßen aus deiner Familie, unserer Gemeinschaft und der stolzen Rasse der Bulkan. Einsamkeit soll dein Begleiter sein, dein Name vergessen in alle Zeit, dein Gesicht verdrängt doch niemals deinen Taten vergeben. Geh nun hin wo dein Weg dich hintragen soll doch sei gewiss, führt er dich zu uns zurück wird der Tod ihn beenden.“

Alles war gesagt, ich wusste bescheid. Verbannt, nicht nur aus dem Dorf, aus meiner Rasse. Ein Vogelfreier, niemand würde mich rächen, niemand sich um mich kümmern. Ich war nicht der Erste dem dies geschah und doch traf es mich härter als ich gedacht hatte. Mit gesenktem Kopf erhob ich mich und verließ langsam den Ratssaal, unser Dorf und damit mein bisheriges Leben.

Die Würfel fallen I

Marn sah den Wolken zu die mit irrsinniger Geschwindigkeit über den immer dunkler werdenden Himmel fegten. Etwas war Schiefgelaufen, gewaltig Schiefgelaufen. Er wusste noch nicht genau was es war, doch hatte sie damit zu tun. Diese Hexe, diese Ungläubige, die Schande die ihn geboren hatte. Die Schande die ihn verraten hatte, es wieder tat. Immer wieder tun würde. Er musste etwas unternehmen, sie in ihre Schranken weisen. Doch das hatte Zeit, viel Zeit sollte es nötig sein. Sie war Unsterblich, ein Segen für manche doch nicht für sie. Die Unendlichkeit in Qualen war was sie verdiente.

Seine Gedanken gingen auf Wanderschaft, verließen Zalima vorerst, suchten den Sterblichen. Ihr Werkzeug das sie so schamlos gegen ihr eigenes Fleisch einsetzte. Er war das wahre Problem. Durch ihn hatte sie Kontakt bekommen, zurückgefunden in die Welt der Sterblichen. Marn war nicht klar wie sie es geschafft hatte, doch es war der Fall. Was kümmert auch das Warum, wichtig war nur wie man ein Problem lösen konnte. Seine Gedanken verfingen sich, gingen im Kreis wie sie es bereits den ganzen Tag getan hatten.

Er konnte ihm nichts anhaben solange sie ihre Hand über ihn hielt, konnte aber auch sie nicht bremsen solange er existierte. Marn spürte ihn, nicht unweit von ihm selbst stolperte dieser Wurm durch den Wald. Verwirrt, geängstigt, ein kleines verlorenes Kind. Marn hatte beobachtet wie sein Besuch sich ausgewirkt hatte. Hatte die Verstoßung genossen wie ein Theaterstück. Wenigstens auf manches konnte er sich noch verlassen. Die Dummheit und Engstirnigkeit der Sterblichen würde wohl nie enden. Er genoss diesen kleinen Sieg, labte sich an ihm.

Doch für Siegesfeiern war keine Zeit, noch keine Zeit. Das wusste Marn. Die hinterhältige Attacke der Hexe hatte ihm schwer zu schaffen gemacht. Schwerer als er sich zuerst eingestehen wollte. Doch aus dem Blut des Wildes hatte er neue Kraft geschöpft. Nicht so ergiebig wie das der Sterblichen, doch genügend. Die Jagd war schwer geworden, die Tiere spürten ihn, spürten das Böse das von ihm ausging und sie mieden es. Sie waren wahrlich intelligenter als diese Sterblichen die sich nur allzu leicht von ihren Sinnen täuschen ließen.

Die Zeit des Wildes war allerdings nun, das spürte Marn wiederum mit seinen Instinkten die immer stärker wurden, vollends um. Er wusste wo sie hingingen wenn die Nacht anbrach. Wenn die Zeit der Dunkelheit, seine Zeit, anbrach. Wie feiges Getier versammelten sie sich, versuchten sich vor ihm zu verstecken. Doch seine Augen sahen weit und seine Ohren hörten gut. Die Halle, in der Halle wo sie noch am Tage ihren Nachwuchs verstoßen hatten sammelten sie sich über die Nacht. Schwer bewaffnet, wahrlich die Männer in Rüstung und Schwert, manche Weiber mit Messern und Dolchen. Es würde ihnen nicht nützen. Er war gestärkt, nicht ganz wie früher doch ausreichend. Nun kam die Zeit des Wachsens. Ja er würde wachsen und er würde es genießen.

Als sich der Mond langsam über den Horizont hob und die letzten Sonnenstrahlen sich verabschiedeten erhob sich Marn von seinem Lager. Totenstille herrschte um ihn doch es fiel ihm nicht auf selbst wenn er es bemerkt hätte, es hätte ihn nicht berührt. Die Tiere hatten den Wald verlassen. Sie rochen ihn, rochen ihn wie einen Brand der sich durch das Unterholz fraß und alles vernichtete das sich ihm in den Weg stellte.

Im Ratsgebäude herrschte bedrücktes Schweigen. Dies war der dritte Abend an dem sich die Dorfgemeinschaft versammelte. Der Mörder war gefasst und doch wollte sich keine Freude einstellen. Es war Trauer die durch die Reihen ging. Sie alle hatten ihn gekannt, manche nur flüchtig, manche näher, manche hatten ihn geliebt. Niemand konnte verstehen was in Matt gefahren war und niemand wollte es verstehen. Grauen ließ sich gut verstecken, Angst jedoch nicht. Sie kroch einem an den Leib und ließ kaum noch los und die Nagst saß tief. Er war erst seit wenigen Stunden aus dem Dorf verschwunden und alle rechneten damit das er zurückkommen würde. Der Geschmack des Blutes ließ sich ebenso wenig vergessen wie die Angst, wie einige Kriegsveteranen altklug sinnierten.

Doch wer zu ihnen kam war zuletzt für sie alle überraschend. Als es an dem Tor klopfte schraken sie zusammen. Augen suchten die Menge ab. Fehlte wer? Waren nicht schon alle Versammelt? Murmeln erhob sich im Saal und angestrengt versuchte jeder einen Blick zum Tor zu erhaschen um den späten Ankömmling zu erblicken.

Verängstigte Männer griffen zu ihren Schwertern, verängstigte Mütter ergriffen was es zu ergreifen gab, verängstigte Kinder klammerten sich an ihre Eltern. Das Tor wurde geöffnet und ein seufzen der Erleichterung ging durch den Saal. Wer immer dort draußen im Regen stand, es war nicht der Gefürchtete. Zwar konnte man die Gestalt nur als Umriss erkennen, doch er war deutlich kleiner als Matt, deutlich Schmächtiger. Ein Kind noch, vielleicht verlaufen und um Hilfe suchend.

Niemand fragte sich wie er sie gefunden hatte, in einem leeren Dorf, mit verdunkelten Fenstern, den Geräuschpegel gesenkt, unhörbar durch das schwere Prasseln des Regens der inzwischen eingesetzt hatte. Doch Mitleid ist ein edler Streiter, so ließen sie diesen ungewöhnlichen Gast ohne bedenken ein. Ein Kind, was sollte ein Kind schon anrichten.

Als sich das Tor hinter Marn schloss und er seinen Mantel abwarf änderten manche ihre Meinung. Männer zogen ihre Schwerter, Frauen versuchten sich von ihm zurückzuziehen. Plötzlich war es kalt geworden im Saal. Er stand unter ihnen, mit vor Schmutz starrender Kleidung, wirr abstehenden Haaren und leuchtenden Augen. „Oh ihr Götter“ hörte man mannigfaltig durch den Saal, ein einziges Seufzen der Angst die er ihnen nur durch seinen Blick einflösste.

Manche vergaßen auf ihre Schwerter und wollten in den hinteren Teil des Saales fliehen, andere besonnen sich auf ihre Schwerter und wollten auf ihn eindringen. Ein heilloses Chaos entstand in dem Saal. Marn stand still da und beobachtete sie, sog ihre Angst in sich auf, genoss ihre Verwirrung. Dann hob er beide Arme und ließ einen kehligen Laut hören, tiefer als ihn je ein Sterblicher hervorgebracht hätte, Mächtiger als man es je erträumen konnte.

Alle Bewegungen froren ein, verängstigte Blicke suchten nach Schutz. Kinder und Frauen begannen zu weinen und alle hatten eins gleich. Sie kannten nun den Mörder, das namenlose Übel das sie gefürchtet hatten.

So plötzlich wie ihre Starre eingetreten war löste sie sich wieder. Beherzte Männer stürmten nach vorne. Auf den Eindringling zu. Unter ihnen befand sich Dionis, “Oh mein Sohn was hab ich dir angetan, ich flehe dich an vergib mir!“, Sirlon „Ihr Götter welch Unrecht habe ich mir aufgeladen.“ und einige andere. Sie traf das Schicksal am gütigsten.

Als sie sich Marn auf wenige Schritte genähert hatten bewegte er seine Arme ruckartig in ihre Richtung. Ein weiterer kehliger Laut und die Männer verwandelten sich in vor Schmerz kreischende Flammensäulen. Die Menge betrachtete dieses Schauspiel geschockt, rührte sich nicht einen Schritt von wo sie standen. Als der letzte Angreifer zu Boden gefallen war herrschte absolute Stille im Saal.

Marn erhob seine Stimme. „Helft mir, helft mir wachsen!“. Dann brach die Panik durch den Saal, in der Panik kam der Schmerz und erst lange nach eintreten des Schmerzes kam der selige Tod zu ihnen.


Zalimas Geschenk

Die Sonne war nur noch als dunkelroter Halbkreis über dem Horizont zu sehen als ich mein Lager für die Nacht aufschlug. Die erste Nacht in Verbannung. Den ganzen Tag war ich umhergewandert, hatte Nahrung gesucht, einen passenden Schlafplatz. Doch die meiste Zeit war ich nur durch den Wald geirrt und hatte versucht zu verstehen wie dies geschehen konnte. Bald hätte ich meine Mannbarkeitsprüfung ablegen sollen, wäre ein voll integriertes Mitglied des Dorfes geworden, hätte vielleicht über kurz oder lang einen Platz im Rat angestrebt. Und nun? Nun bereitete ich mir ein Lager aus Ästen die ich mühselig mit einem Stein von den Bäumen trennte und provisorisch mit Lianen zusammenband.

Es sah nach Regen aus so gab ich mir alle Mühe ein zumindest halbwegs trockenes Dach hinzubekommen. Der Frühling war allerdings noch nicht sehr lange ins Land gezogen und so waren die meisten Bäume noch ohne starken Blätterwuchs. Auch konnte es noch kalt werden in der Nacht, in letzter Zeit war es sehr mild doch wer konnte schon wissen wie das Wetter umschlug. Oft tat es doch genau das was man am wenigsten erwartete und auch am wenigsten gebrauchen konnte.

Als ich die Arbeiten an meinem Lager einstellte war die Sonne bereits untergegangen und nur noch ein schwach rötlicher Schein der sich in den fernen Wolken fing deutete darauf hin das sie jemals existiert hatte. Ich blickte dem Himmel entgegen und ließ meine Gedanken schweifen. Sehnsüchtig blickte ich zurück in die Zeit in der die Welt noch in Ordnung war, die Zeit als meine Schwester noch lebte, mein Vater mich noch kannte, meine Mutter immer ein Lächeln auf den Lippen hatte. Einsamkeit beschlich mein Herz und still vor mich hinweinend sah ich den Sternen zu wie sie langsam das Himmelszelt bevölkerten.

Es war nicht gerecht, dachte ich bei mir. Ich hatte niemandem etwas angetan, wollte nur mein Leben in Frieden und nach den alten Gesetzen der Bulkan leben. Eine Familie gründen, glücklich werden. Ich verfluchte den Tag an dem ich die erste Vision hatte, verfluchte mich selbst in den Wald gegangen zu sein, verfluchte Zalima, Marn, die ganze Welt die sich scheinbar gegen mich verschworen hatte. Doch es half nichts, je mehr ich fluchte, je mehr die Bitterkeit in Hass überging umso stärker nahm die Einsamkeit von mir Besitz. Mit Tränengenässten Wangen rollte ich mich schließlich zusammen und schlief ein.

Ich hatte einen Traum. Ich sah Augen voll Güte und Freude. Augen die lachten und die einem Mut zu Abenteuern gaben. Die den Glauben an die Zukunft innehielten und die pure Freude des Lebens ausstrahlten. Doch diese Augen veränderten sich, zuerst unmerklich nur, doch mit steigender Geschwindigkeit füllten sie sich mit Tränen. Ihr fröhlicher Ausdruck verschwand und eine Spur Schmerz war zu erkennen. Der Schmerz wuchs bei den Grausamkeiten die die Augen sahen und die Tränen wurden rot und dick. Wie Blut troffen sie über das unbeschreibliche Gesicht und der Schmerz in den Augen wurde zu Hass. Hass der alles auffraß das sich ihm in den Weg stellte. Hass der jedes Argument zerstörte, ignorierte und zertreten auf dem Boden liegen ließ. Kälte schlich sich ein und mit der Kälte kam der Irrsinn. Die Grausamkeiten wurden normal, der Hass zum Freund, die Nacht zum Tag. Was war wurde zerstört, was kam wurde zerstört. Immer mehr nahm der Irrsinn von den Augen besitz und ich bekam Angst. Angst um die Güte des Seins um die Liebe in unseren Herzen und den Verstand in unseren Köpfen. Denn der Hass und der Irrsinn vernichteten uns, fraßen uns von innern heraus auf und ließen nur leere Hüllen, zerstörte Abbilder unser selbst, zurück. Als sich die Augen schlossen und die Tränen der Reue kamen war es zu spät, ich blickte auf ein Schlachtfeld tausender, einen Ort unendlicher Schmerzen übersäht von Leichen. Frauen, Männer, Kinder, Freund und Feind dahingemetzelt in einem Augenblick, gestorben für nichts. Und als ich meinen Blick senkte sah ich dass auch ich eine der Leichen war, einer unter vielen, unbekannt und unbenannt.

Aus dem Nebel der Schlacht trat eine Gestalt hervor. Umgeben von einem Strahlen das meine Augen blendete und meine Sinne vernebelte konnte ich sie nicht erkennen doch als sie zu sprechen begann wusste ich das ich Zalima in ihrer natürlichen Gestalt gegenüberstand. „Dies geschah, es wird wieder geschehen. Es ist an der Zeit, Matt wach auf. Sieh deinem Feind in sein Antlitz. Erkenne dich selbst.“ Während sie sprach veränderte sich die Umgebung, das weite Feld wurde plötzlich von Mauern umrahmt, ich konnte Bilder an den Wänden erkennen, eine hohe Theke am Ende des Saals. Wie ein Faustschlag in die Magengrube überkam mich die Gewissheit was ich hier sah. Der Ratssaal, mein Dorf. Zalima verschwand langsam doch an ihrer Stelle stand jemand anders. Er drehte sich langsam um als spürte er meinen Blick auf seinem Rücken. Als ich seine Augen sah erkannte ich Marn. Er war größer, wie ein ausgewachsener Bulkan beinahe. Seine Kleider hingen in Fetzen von seinem Leib, zu klein um den gewaltigen Körper noch länger zu verdecken. Ein höhnisches Lächeln breitete sich über seine Lippen. „Komm nur Sterblicher, komm nur zu deinen Freunden.“

Ich wachte mit einem Schrei auf, kalter Schweiß stand mir auf der Stirn. Zuerst wusste ich nicht wo ich war. Doch als ich das leise Prasseln des inzwischen eingesetzten Regens hörte und den Mond als fahlen Umriss durch die Wolken scheinen sah erinnerte ich mich. Meine durchnässte Kleidung zeigte mir eindeutig dass das Blätterdach wohl doch nicht so dicht war wie ich es mir gewünscht hatte. Dieser Gedanke streifte jedoch nur kurz durch meinen Geist, verwundert blickte ich auf meine Hand. Ich hielt etwas in ihr. Seltsam schwer lastete etwas in meiner verkrampften Faust, als ich meinen Arm hob sah ich die Klinge.

Ein Langschwert, edel verarbeitet und am Heft mit Edelsteinen bestückt. Die Klinge schien das schwache Mondlicht aufzufangen und hundertfach wiederzuspiegeln wodurch ich meine nähere Umgebung beinahe so gut ausmachen konnte als wäre es Tag.

Der Traum zwängte sich wieder zurück in mein Bewusstsein. Als ich an Marn dachte schien das Schwert sanft zu vibrieren als wolle es zu ihm. Ich begriff dass ich ihm diesen Wunsch erfüllen würde. Dazu war es geschaffen. „Cayhoon, Seelenklinge“, geisterte mir ein Gedanke durch den Kopf. Ich kannte die Legenden die dieses Schwert umgab, jeder kannte sie. Der einzigartige Dämonenschlächter. Geschmiedet von Navdam, dem Götterschmied. Getragen von Katan, der göttliche Zorn selbst. Die glorreichen Siege die dieses Schwert scheinbar errungen hatte waren Stoff unendlicher Legenden und Gesängen die alle den Kampf und die Ehre rühmten.

Aber war das möglich? Vor allem wie war es möglich das ich diese mächtige Waffe nun in meinen Händen hielt? Diese Fragen konnten später gestellt und beantwortet werden entschloss ich. Fürs erste genügte es mir zu Wissen eine scharfe Klinge in der Hand zu halten, dies erleichterte mir zu tun was ich zu tun hatte. Langsam machte ich mich auch in Richtung Dorf. Ich würde kommen, doch ich würde nicht kommen wie Marn es von mir erwartete.


8.:Vorspiel

Als Matt den Dorfrand erreichte hatte der sanfte Nieselregen aufgehört doch Lunas fahles Antlitz warf noch immer ihr beklemmend kaltes Licht über die Welt. Seit er im Wald aufgebrochen war hatte sich sein Mut langsam verabschiedet und zaudernd mit sich selbst blickte er auf das dunkle Dorf hinab.

Er würde nun sterben. So oft hatte er es dieser Tage befürchtet, doch wozu ihn seine Rachegelüste nun trieben konnte nicht anders enden. Er wollte sich einem Dämon entgegenstellen. Älter als er es wohl in seinen kühnsten Träumen nicht erahnen konnte. Grausamer als die Welt selbst jemals sein würde. Mächtiger als ganze Legionen der tapfersten Krieger. Er konnte nicht gewinnen, doch er konnte leben.

Es wäre einfach, umdrehen, langsam zurück in den Wald schreiten und im Schutz der Dunkelheit nach einem anderen Dorf suchen. Berichten was geschehen war. Man würde seine Flucht verstehen, ihn aufnehmen. Er konnte weiterleben und versuchen das was war zu vergessen. Vor allem seinen Teil an dem ganzen Unglück vergessen.

Er hatte sich bereits halb wieder dem dunklen Wald zugewandt als Cayhoon’s Klinge stärker als je zuvor zu vibrieren begann. Als sie leise begann zu Matt zu sprechen. Er hörte zu, und verstand. Die Chance zu siegen war gegeben, verschwindend gering, jedoch nicht von der Hand zu weisen. Langsam, jedoch mit festem Schritt, ging er auf die verlassenen Hütten die einst seine Heimat waren zu.

Das Inferno war zu Ende. Ab und an war noch leises Stöhnen und Weinen zu hören. Generell konnte man jedoch sagen das Marn mit seiner Arbeit zufrieden war. Er würde die noch Lebenden aus dem toten Pulk Bulkan finden und sich ihnen widmen. Das würde er gewiss. Es waren andere Dinge die ihm Sorgen bereiteten. Zum einen war da Zalima. Er hatte sie gebannt, zu allen Zeiten und deren Teufeln das hatte er! Und doch, sie war wieder zurück. Unleugbar.

Noch hatte er sie nicht getroffen, doch das würde kommen. Seine Mutter die ihm Süßholz raspelnd den Fluch ans Herz gebunden hatte. Die Hexe die verantwortlich war das er seine Macht verloren hatte, das er neu beginnen musste. Die verantwortlich war das sein Reich zusammenbrach als es eben im entstehen war. Marn würde sich rächen. Soviel war klar. Doch nur wie? Er wusste es nicht. Sie hatte einen Weg gefunden ohne lebendigen Körper zurück in die Welt der Sterblichen zu finden. Wie konnte er töten was nicht lebte? Doch dies hatte Zeit, viel Zeit wenn es nötig war. Was jedoch keinen Aufschub gewährte war der Sterbliche.

Diese Karikatur eines Mannes. Dieser Hohn auf alle Krieger die er besiegt hatte. Niemals hatte sich jemand seiner Macht entgegenstellen können. Doch diesem war es gelungen. Mit ihrer Hilfe, soviel war klar, doch es war mächtige Hilfe. Hilfe die aus Ungeziefer auf dem Absatz seiner Schuhe bedrohlich wirkende Schatten im dunkel der Nacht werden ließ.

Matt, so nannte sie ihn. Matt war gefährlich. Nicht durch seine eigene, kaum vorhandene, Kraft. Jedoch die Macht die sie ihm zu Seite stellte war eine Gefahr. Cayhoon war eine Gefahr. Er hatte die Klinge selbst getragen, lange Zeit getragen. Er kannte ihre Macht, doch auch ihre Tücken. Die List wie sie sich an den Stärkeren klammert und ihren Träger oft verstößt um eine verlorene Schlacht auf der Siegerseite zu beenden. Cayhoon, das war die größte Gefahr und doch sein größter Trumpf in dieser ganzen Misere. Er musste sie nutzen und das Schwert musste ihn nutzen. Würde dies nicht geschehen könnte er verlieren, könnte wieder in die Leere gestoßen werden die ihm so Verhasst war.

Während Marn noch in seine Gedankengespinste um Finsternis und Einsamkeit verwickelt war näherte sich Matt den schweren Eichentoren der Halle. Sein Herz klopfte ihm über die Brust hinaus und Angstschweiß perlte von seiner Stirn. Doch der Entschluss war gefasst, konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden. Er schallte sich selbst einen Feigling auch nur über Rückzug nachgedacht zu haben. Dies musste ausgefochten werden. Die Ehre seines Dorfes verlangte nach seinem, oder Marns, Blut.

Er schreckte hoch. Nun war er also da. Marn konnte Matt nicht spüren, doch Cayhoon. Sie spürte er wohl wie sie ihre harten Fänge nach ihm reckte. Angst beschlich ihn. Zum ersten Mal seit er wieder zurück ins Leben gefunden hatte beschlich ihn wahre kalte, nackte Angst. Doch nun gab es keinen Ausweg mehr. Dies musste ausgefochten werden. Der Wille zu wieder zu Herrschen verlangte nach seinem, oder Matts, Blut.

Mit einer sanften Handbewegung öffnete er die beiden Flügel des schweren Tores und blickte in das Antlitz seines Feindes. Der alles entscheidende Kampf hatte nun begonnen.

9.: Schicksal

„Matt, so nannten sie dich nicht wahr? Wer? Ach ich bitte dich! Stell dich nicht dümmer als es einem Sterblichen gebührt und halte mich nicht dümmer als es einem Gott gebührt. Du weißt wohl von wem die Rede ist! Sieh zu deiner Rechten, diese Asche die dein Vater war. Sieh hier hinter mich, die Frau die deine Mutter war. Sieh in meine Augen, nimm das Leiden in dich auf das deine Schwester war. Ich alleine habe sie alle getötet. Habe noch viele mehr von ihnen in ewiges Leid gestürzt. Wohl wahr. Doch du alleine suchst dich gegen mich zu stellen? Willst mir, der den Göttern das fürchten lehrt, die Stirn bieten? Willst du?“

Matt stand im Türbogen und blickte verunsichert zu Marn. Mit allem hatte er gerechnet. Einem schnellen Angriff, mit listiger Magie, tückischer Hinterlist. Doch alles was er sah war Marn. Marn und ein schrecklicher Anblick von Leichen. Derer viele das sie übereinander lagen. Manche von ihnen schienen noch zu Leben. Ein schmerzerfülltes, nach Erlösung flehendes, stöhnen schien durch die Halle zu schweben. Marn stand inmitten von ihnen. Aufgerichtet, die Hände ruhig verschränkt, leicht Lächelnd umringt von seinem kommenden Königreich aus Toten. Wahrlich die ersten Gefolgsleute waren bereits an seinem Hof eingetroffen.

„Matt, wohl so war mein Name den sie mir gaben und so wird der Name sein mit dem sie mich einst auf den Hügeln liegen sehen werden. Ich stehe zu ihm den er wurde mir durch Liebe zuteil. Liebe derer die mich schufen und Liebe die ich an sie gab. Ein Gut welches dir fremd zu sein scheint Dämon. Das jedoch seinen festen Bestand in dieser unserer Welt hat. Senke dein Haupt nun, erkenne dein Schicksal und ziehe dich zurück in die Tiefen aus denen zu gekrochen kamst. Die Götter stehen an meiner Seite, deine Zeit ist eine vergangene Erinnerung. Eine Täuschung der Sinne. Eine nicht vorhandene Realität. Weiche aus dem Körper den du stahlst und gib den Seelen, die du mit dir ziehst, den Frieden den sie verdienen! Du der du dich als Gott auf diese Welt stellst. Erkenne dein Ende und nimm im Tod die Ehre die dir im Leben fehlte!“

„Du sprichst mit vielen Zungen Sterblicher. Ich höre die Weisheit Cayhoon’s, die Dummheit deines Volkes und die Unvernunft der Jugend. So vieles in so einem kleinen Geist. Sag mir, spürst du bereits deinen Verstand unter dieser Last bröckeln? Kannst du der Perversion die ihr Gedanken nennt noch folgen? Bist du es der spricht oder die Klinge in deiner Hand? Sei wahr, wenn du es noch kannst. Erblicke die glorreiche Wahrheit hinter der Tücke die dich zu mir zurückführte. Erkenne das Cayhoon mein rechtmäßiger Besitz ist. Mir entwendet, vor Zeiten die deinen begrenzten Geist wohl sprengen würden, und nun von vor Niedertracht und Herrschsucht triefenden Wesenheiten in deine Hand gelegt wurde. Ich war es der den Stärksten besiegte. Ich bin es dem sie dem Recht der Alten nach in die Hand gelegt werden muss.“

Marn hatte sich langsam auf Matt zu bewegt, stand nun keine 10 Schritte entfernt und breitete die Hände aus.

„Cayhoon, meine Liebe. Meine Vertraute. Kehre zurück in das Haus das dir Macht verspricht. Kehre zurück in das Haus das dich das Blut der Schwachen trinken lässt. Kehre zurück zu mir! Sei meine Erfüllung.“

Das Schwert rührte sich nicht in Matts Hand und Marns selbstsichere Blick sackte ab in tiefe Verzweiflung. Cayhoon hatte ihn nicht erhört. Es beschützte diesen Sterblichen. Diesen Abschaum der es wagte sich in seinen Weg zu stellen und nun, mit Cayhoon’s Hilfe, wohl auch geringfügige Chancen hatte ihn zu bannen. Ihn, den der Herrscher sein sollte, wieder in die endlose Dunkelheit zu stoßen die ihm in den letzten Tausenden von Jahren so verhasst wurde.

„Die Wahl wurde getroffen, das Schicksal entschieden.“ Zalimas glockenhelle Stimme tönte durch die Halle und beide schraken auf. Sie war nicht zu sehen, doch zu fühlen. Ihre Präsenz schien wie ein leichter Frühlingswind der die erste Wärme ins Land brachte und es vermochte die Welt aus ihrem Winterschlaf zu erwecken. Marn verwandelte sich. Innerhalb von Sekunden verlor er den gelassenen Ausdruck der bisher sein Gesicht umspielt hatte und zeigte eine Maske des Grauens. Sein Körper krümmte sich zusammen als würde er endlose Pein ertragen müssen und tief aus seiner Kehle kam ein dumpfes Grollen das man unmöglichen als einen Laut wahrnehmen konnte.

„Niemals, niemals sage ich euch werdet ihr mich besiegen. Wir werden uns wieder sehen Sterblicher. Es ist noch lange nicht vorbei“ Er sackte nach vor und fiel regungslos auf den vom Blut seiner Opfer genässten Boden. Matt, der während Marns Verwandlung nicht einer Bewegung fähig war, stürmte nach vor und rammte Cayhoon in den scheinbar leblosen Körper. Als die Klinge die Haut seines Opfers berührte bäumte sich dieser ein letztes mal auf. Matt zog das Schwert zurück doch die Verwundung war tödlich.

Als er den Toten auf den Rücken drehte und in seine stumpfen Augen blickte sah er nicht den Hass oder die Macht Marns. Der Dämon war geflohen. Vor ihm lag ein Junge der Matts Alter zu haben schien. Aus seinem Gesicht sprach die nackte Pein. Das Blut des Unschuldigen sickerte langsam in den Boden ein und hinterließ kleine Rauchsäulen wo es auf das der Bulkan traf. Cayhoon begann wieder zu sprechen. Matt hörte zu und grenzenlose Angst nahm von ihm Besitz.


Nachts, wenn wir gestorben sind

Während Matt über dem geschlagenen Körper hockte der Marn war standen drei dunkle Gestalten fern von ihm auf der Anhöhe Gramile. Fern unter ihnen konnte man die Lichter Laglamia’s als leichten Schimmer sehen und die Geräusche des nächtlichen Treibens drangen gedämpft zu ihnen hinauf.

Finster blickten sie in die sternenklare Nacht. Unter ihnen fand ein Dialog statt der keiner Worte bedurfte. Sie hatten das Zeichen gesehen und das Zeichen bedeutete Verderben. Lange hatten sie gewartet das dies geschehen würde und sie wussten das die Zeit zu handeln nun gekommen war.

Der Wind wehte durch ihre ergrauten Haare, eisiger Wind ließ sie frösteln. Doch keiner der drei wagte den Blick von dem fernen Punkt auf den sie blickten abzuwenden. Zu bedeutend war es was sie gesehen hatten, zu bedeutend war es was sie noch hofften zu sehen. Es geschah nicht, dem Dämon war die Flucht gelungen, das Schicksal war nun seinen Weg gegangen.

Als sich die Sonne als blutrote Scheibe am Horizont abzeichnete verließen sie den Hügel, nicht ein Wort wurde gesprochen. Sie wussten. Seit hunderten Jahren hatten sie auf die Zeichen gewartet. Eines war gekommen. Das Zweite blieb aus. Sie trennten sich. Jeder von ihnen schlug einen anderen Weg ein, niemand blickte zurück. Es war nicht nötig. Sie gingen in den Tot und ein Blick zurück hätte nur verzögert was getan werden musste.

Als die Sonne im Zenit stand verließ Matt die Versammlungshalle. Cayhoon hatte ihm den Weg gewiesen und er war ihn beschritten. Die Leichen seines Dorfes lagen nun geordnet in der Halle auf. Er hatte nicht die Kraft besessen sie auf den Totenhügel ihrer Gemeinschaft zu bringen. Doch er hatte die Kraft die Toten, und manche noch Lebende, von dem Fluch des Dämonentodes zu befreien. So wies eine jede Leiche nun einen sauber durchgeführten Schwertstoß in der Brust auf durch den die gepeinigte Seele des Geschlagenen entfliehen konnte.

Zuerst wollte er dies nur bei offensichtlich Toten anwenden. Doch die noch Lebenden hatten in beschworen sie nicht länger Leiden zu lassen. Sie wussten um ihren nahen Tod wie auch er es wusste und so hatte er die letzten verbleibenden Überlebenden erlöst aus ihrem Schmerz. Zwei dicke Tränenspuren hatten sich über sein, nun blutverschmiertes, Gesicht gebildet doch als er in die Sonne trat huschte ein flüchtiges Lächeln über seine Lippen.

Er hatte ein Leben retten können. Madeleine, die nun hinter ihm stand, hatte er gefunden als er die letzten Körper auflegte. Sie hatte sich unter den Leibern ihrer Eltern verborgen und beinahe hätte er auch sie getötet da sie im Blut ihrer Famille getränkt war. Doch der Glanz ihrer Augen ließ ihn stocken. Sie hatte sich nicht bewegt, kein Wort gesprochen. Doch dieser Glanz, er deutete auf Leben! Als er sie näher betrachtete sah er dass sich ihr Brustkorb langsam hob und senkte. Sie atmete, sie lebte!

Er sprach sie an, doch sie blickte nur weiter wie starr. Er versuchte sie zum aufstehen zu bewegen, doch sie blieb liegen. Erst als er sie sanft unter den Achseln nahm und auf ihre Füße stellte blieb sie stehen. Ohne Regung in ihrem jungen Gesicht blickte sie ihn an, blickte sich um. Begann zu weinen. Es schien aus ihr heraus zu brechen. Matt umarmte sie und als er den warmen Körper an seinem spürte. Das aufgeregte Schluchzen das sie schüttelte. Die hände die sich panisch um ihn schlangen. Da hatte auch er zu weinen begonnen. Still, nicht so Emotionsgeladen, er wollte sie nicht beunruhigen. Nicht mehr als sie es bereits war.

Lange standen sie so. Einander umarmend, weinend, nicht wissend wer wem nun Trost spendete. Als sie sich schließlich trennten versuchte Matt sie aus der Halle zu bekommen um seine Pflicht zu erfüllen. Doch sie ließ sich nicht hinausbugsieren, mit zwei Schritten Abstand trottete sie ständig hinter ihm her als hätte sie Angst er würde auch noch verschwinden. Es hatte keinen Sinn er musste beenden was beendet werden musste und als er dem ersten Leib das Schwert in die Brust rammte schreckte Madeleine auf.

Sie klammerte sich an ihn, schüttelte panisch den Kopf. Doch sprach kein Wort. Matt blickte traurig auf sie hinab und strich ihr sanft über den Kopf. „Es muss sein Maddy, ich will es auch nicht doch es muss sein.“ Sie ließ ihn los, nickte leicht mit dem Kopf und wendete sich ab. Noch immer hatte sie nicht gesprochen doch sie akzeptierte was er tat.

Den Rest der Nacht verbrachte sie an eine relativ saubere Wand gelehnt ihn beobachtend. Als die Sonne langsam ihre hellen Fühler durch die geöffnete Tür streckte war sie eingeschlafen. Matt hatte sein Werk beinahe beendet, war erschöpft, ausgelaugt. Doch etwas beunruhigte ihn. Er hatte all ihre Gesichter gesehen, und doch fehlte eines.

„Sieh hier hinter mich, die Frau die deine Mutter war.“ So hatte Marn gesprochen. Allerdings hatte er sie nicht gefunden. Sie war nicht unter den Leichen dessen war er sich sicher. Voll Hoffnung blickte er sich um. Vielleicht noch eine Überlebende? Vielleicht seine Mutter? Etwas bewegte sich, er konnte es gerade am Rand seines Sichtfeldes wahrnehmen und hob den Blick.

Für einen Bruchteil eines Augenblicks sah er seine Mutter, wie sie fröhlich lächelnd an der Decke der Halle stand. Ihm zuwinkte. Ihm bedeutete dass es nun vorbei war, dass sie nach Hause gehen würden und das Leben weitergehen könnte wie es noch vor wenigen Tagen war. Doch die Illusion zerbrach schnell. Zuerst sah er das Seit an ihren Beinen bis hinauf zu den Dachstreben. Dann sah er das Blut das ihren Körper bedeckte und bereits zu verkrusten begann, langsam das dunkle Braun des Herbstes annahm.

Als Matt sie herabließ bemerkte er dass sie noch zu leben schien. Ihre Lippen bewegten sich langsam und ihr Blick schien ihn zu suchen. So zärtlich es ihm möglich war bettete er sie auf dem Boden und ließ sich zu ihr hinab. Blickte ihn ihre bereits brechenden Augen. Ihr flüstern war kaum zu verstehen so senkte er seine Ohren über ihren Mund und lauschte angestrengt. Was er hörte ließ sein Herz gefrieren.

„Erlöse mich, geliebter Sohn. Blut von meinem Blut, nie habe ich daran [siehe Kap.4 Anm.d.Auth]. geglaubt. Du bist mein Sohn, sei nun ein Mann. Erlöse mich.“ Eiskaltes Grauen lief über seinen Rücken. Seine eigene Mutter. Er sollte seine eigene Mutter töten. Ihre Augen blickten nun fest auf ihn. Kein Wahn war darin zu sehen, keine Verwirrung. Langsam wischte Matt das Blut von ihrem Gesicht. Küsste sie ein letztes Mal auf die Wange. Stieß zu. Als der Glanz aus den Augen seiner Mutter endgültig brach brauch auch in Matt etwas entzwei.

Er wollte schreien, toben, all seiner Angst, seiner Wut, seinem Hass den er empfand Ausdruck verleihen. Doch er konnte nicht, er blickte einfach nur in das tote, und doch wunderschöne, Antlitz seiner Mutter. Selbst die Tränen waren ihm ausgetrocknet.

Madeleine beendete seine Starre. Sie war leise hinter ihn getreten und hatte sich hinter ihn gekniet. Langsam legte sie ihren Kopf auf seinen Rücken und umschloss ihn mit ihren Armen. Spendete den Trost den Matt nicht finden konnte. Nach einiger Zeit standen die beiden auf, blickten sich an und verließen die Halle. Sie sahen nicht zurück.

Teil2 Kapitel1 Neubeginn

Madeleine blickte in das erst frisch entfachte Feuer und rückte ein wenig näher darauf zu. Der Winter war noch nicht mit seiner vollen Härte angebrochen, doch es wurde Abends bereits sehr kühl und sie frohr. 7 Monate waren vergangen seit sie aus Rellatem aufgebrochen waren und langsam konnte sie wieder die Nächte durchschlafen ohne aus Alpträumen hochzuschrecken. Doch wenn sie so alleine, tief im Wald hockte und aufpasste das die Flammen nicht ausgingen während Matt auf der Jagd war kamen die beklommenen Gefühle zurück.

Matt hatte ihr versprochen das es vorbei war. Das Marn geschlagen war. Doch sie konnte es nicht glauben, oder wollte es nicht glauben. Aber sie konnte die Angst verdrängen, auf jeden Fall wenn Matt bei ihr war. Im Moment allerdings war sie allein, es wurde dunkel. Matt war bereits sehr lange weg, länger als gewöhnlich. Und mit jeder Minute die verstrich wuchs in ihr das Unbehagen, die Gewissheit, das Marn ihn letztendlich doch noch gefunden hatte. Ihn geschlagen hatte. Das er nun sie suchte, um sie zu schänden, sie zu töten. Der Tod machte ihr keine Furcht. Sie würde sterben, jeder würde das. Doch es waren die Schreie derer die sie sterben gesehen hatte. Die Schreie die von unglaublichen Schmerzen gesprochen hatten. Vor diesen hatten sie Angst. Jawohl Sir, die hatte sie.

Im Wald raschelte etwas und erschrocken zuckte sie zusammen. Als sie sich umblickte sah sie Matt der freudestrahlend mit zwei getöteten Hasen im Arm vor ihr stand. "Hab heut zwei Maddy, zwei Fette. Essen für eine Woche, vielleicht mehr. Was sagst du dazu?" Sie sagte nichts, sagte nichts wie sie nie etwas sagte. Sie war stumm seit jenem Tag und wusste selbst nicht warum, doch seit sie auf der Reise waren hatten sie denoch eine Art der Kommunikation entwickelt die ihrerseits auf Gesten und Blicke beschränkt war. So blickte sie ihm lächelnd entgegen und hob einen Daumen über den Kopf. "Finde ich toll Matt, echt toll!" Und das fand sie wirklich, das bedeutete das sie mindestens eine Woche nichtmehr alleine war, eine Woche weniger Angst. Eine Woche wo er ihr immer Gesellschaft leisten konnte.

"Hab'n Dorf gefunden." beinahe nebensächlich warf er die Worte ein als er noch mit dem Ausnehmen der Hasen beschäftigt war. Doch ihr entging nicht das er sie aufmerksam musterte, ihre Reaktion beobachten wollte. Seit sie auf der Reise waren hatten sie ein paar Dörfer gefunden. Er freute sich immer darüber doch besucht hatten sie keines davon. Es war Maddy die ihn hinderte. Sie hatte scheinbar panische Angst, die er zwar nicht verstand jedoch respektierte. Überhaupt war Maddy in seinen Augen sehr seltsam geworden seit sie aufgebrochen waren. Da war das mit dem Sprechen, vielleicht das auffälligste doch bei weitem nicht das was ihn am meisten beschäftigte.

Ihre Augen waren seltsam geworden. Sehr gut hatte er sie damals nicht gekannt, nur manchmal getroffen und gegrüsst wie man kleine aufgeweckte Mädchen einfach grüssen musste. Da war die Welt noch in Ordnung gewesen. Doch nun hatte sie manchmal ein Glitzern in den Augen das ihn erschaudern liess. Ein Glitzern das von Grauen und Lust daran sprach. Es verwirrte ihn diesen Ausdruck in den Augen eines 8 jährigen Mädchens zu sehen, schob es allerdings beiseite. Es gab wichtigeres in dieser Zeit. Nahrung um genau zu sein. Er konnte kaum noch etwas zu Essen finden und hätte er heute nicht diesen Jäger getroffen der ihm die Hasen geschenkt hatte. Er wäre mit leeren Händen zurückgekommen.

Er konnte sich nicht darauf verlassen immer jemanden zu treffen, immer in die Nähe eines Dorfes zu kommen wo er heimlich etwas mitgehen lassen konnte. Es gefiel ihm nicht sonderlich aus den Vorratskammern anderer Leute zu stehlen doch musste er an Maddy denken. Sie war jung, schwach. Leicht konnte er ein paar Tage ohne Nahrung auskommen und sich durchbeissen. Doch sie würde schnell schwächer werden und er machte sich nicht vor das er die Kraft hatte sie, neben ihrem Gepäck, zu tragen. Es konnte geschehen das er sie zurücklassen musste. Es wäre ihr Tod, das war ihm klar, doch was sollte er machen?

Als sie gegessen hatten war der Mond bereits hoch über den Baumwipfeln zu sehen und erschöpft krochen sie in ihr Nachtlager. Sie betteten sich auf Fellen und Tierhäuten die Matt von den erschlagenen Tiefen abgezogen hatte und spärlich Wärme spendeten. Die Zeit hatte nicht gereicht um die Häute zu gerben. Leder herzustellen. So begannen die ersten Häute bereits sich aufzulösen, zu verwesen. Der Geruch war erbärmlich doch beide hatten sich daran gewöhnt und so fiehlen sie ohne ein angewiedertes Naserümpfen auf die Lager nieder.

Maddy lag in der Stille der Nacht und blickte zu den Sternen empor. Matt verbarg ihr etwas, dessen war sie sich sicher. Doch was konnte es sein? Der nahende Winter? Vielleicht, doch sie glaubte es nicht. Sie wusste das er gerne die Dörfer besuchen würde, das er es wegen ihr nicht tat. Doch tat er es wirklich nicht? Manchesmal roch sie etwas an ihm. Manchesmal schien sein Haar reiner als gewohnt. Manchesmal war er einfach seltsam. Sie blickte zu ihm hinüber und bemerkte das er sich unruhig hin und her wälzte. Alpträume, das kannte sie, beide hatten sie damit zu kämpfen doch Matt scheinbar mehr als sie. Lange lag sie wach und plagte sich mit Überlegungen. Was betrübte Matt, wie würde es weitergehen? Als der Schlaf letztendlich über sie fiel bemerkte sie es zuerst garnicht.

Matt lag auf ihr, hielt sie sanft im Arm. Wie auch sie ihn in ihren Armen hielt. Eng umschlungen taten sie das was sie oft bei ihren Eltern beobachtet hatte. Verwirrt blickte sie an sich hinunter und bemerkte das sie gealtert war. Sie hatte Brüste und zwischen ihren Schenkeln konnte sie, ausser Matt, den leichten Flaum spüren den sie dort bekommen würde wenn sie zur Frau heranwuchs. Ihr wurde klar das es ein Traum war, doch sie genoss es. Matt verursachte ein weiches, warmes Gefühl in ihr das sie kaum beschreiben konnte ihr allerdings grösste Freude bereitete.

Während sie sich zärtlich küssten wurden seine Stöße immer heftiger, sein Verlangen immer stärker bis das warme Gefühl in ihrem Unterleib zu explodieren schien. Ihren ganzen Körper einnahm, sie erstarren ließ in einem kurzen Moment in dem sie scheinbar die Liebe der ganzen Welt in sich aufnahm. Als Matt sanft von ihr herabglitt blickte sie erschöpft aber glücklich in den Nachthimmel. Der Vollmond der dort schien war halb von Wolken bedeckt und aus den Wolken blickte ein Gesicht auf sie herab. Sie schreckte aus dem Schlaf doch das letzte Bild blieb noch für wenige Sekunden in ihrem Gedächtniss. Der zu einem grauenvoll gefährlichem Lächeln verzogenen Mund, die vor Machtgier blitzenden Augen, der hämische Blick. Sie kannte dieses Gesicht, würde es nie vergessen.

Doch als sie am nächsten Morgen aufwachte war der Traum aus ihren Gedanken verschwunden. Fortgeweht wie ein Blatt im Herbstwind. Verschollen in der Unendlichkeit ihres Geistes.



Quelle: [1]

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