Die Geschichte der Menschenfrau Cymoril

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Es war ein kühler Herbsttag. Der Hahn krähte früh morgens um uns zum Tagewerk zu wecken. Meine ganze Familie war sehr aufgeregt, war es doch der letzte Tag der Ernte und am Ende des Tages wurde ein Fest im Dorf abgehalten. Ich war jung und führte ein recht sorgloses Leben und freute mich auf dieses Fest. Die Erntezeit war eine sehr arbeitsreiche und harte Zeit für mich junges Mädchen aber die Arbeit machte mich stark und widerstandsfähig.

Der Tag erschien mir endlos, war doch die Vorfreude quälend. Die Stunden zogen sich dahin und endlich brachten wir die letzten Garben in die Scheune und mein Vater rief das Ende der Ernte aus. Jubelnd und lachend ging die ganzen Familie ins Haus um sich zu waschen und auf das gute Essen vorzubereiten. Meine gute Mutter hatte den ganzen Tag geschuftet in der Küche und im Haus geputzt um es schön für uns zu machen. Als alle gesäubert und angezogen waren, begann mein Vater das Dankgebet zu sprechen und wir aßen friedlich und plauderten ausgelassen. Es war eine gute Ernte gewesen die uns sicher über den Winter bringen würde.

Ich wollte meiner Schwester gerade beim Tisch abräumen helfen, als ich Geschrei und Geklirr hörte. Ich ließ vor Schreck das gute Geschirr fallen. Mein Vater packte die Sense und lief nach draußen um nachzusehen. Ich folgte ihm, doch ich wünschte mir es nicht getan zu haben. Der Anblick war grauenhaft. Ich wandte mich schmerzerfüllt um und lief zurück ins Haus.

„Mutter! Mutter! Schnell versteckt Euch und die Kinder!“ rief ich voll Panik. Meine Mutter wollte mich mit sich ziehen doch ich entwandt mich ihrem Griff und holte mir eine Sense um wieder meinem Vater zu Hilfe zu eilen. Als ich vor dem Haus ankam sah ich noch wie sie meinen Vater niederstreckten. Mich verließ aller Mut und ich begann zu rennen. Grauen bemächtigte sich meiner und Tränen rannen mir über die Wangen. Panik hatte mich längst überwältigt und kopflos gemacht. Doch die Sorge beschlich mich und ich beschloss umzukehren. Ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, doch als ich wieder bei meinem Elternhaus ankam, fand ich nur noch eine schwelende Ruine. Ich stolperte voll Grauen durch den Rauch und rief nach meiner Familie aber ich hörte keine Antwort. Ich begann die Ruine genauer abzusuchen. Voll Schmerz wandte ich mich von dem geschändeten und verkohlten Leib meiner Schwester ab. Das war alles zu viel für mich. Ich brach zusammen wo ich stand und weinte nur noch. Irgendwann musste ich das Bewusstsein verloren haben, denn ich erinnere mich nicht genau was dann geschah.

Jemand fand mich, doch ich weiß bis heute nicht wer es war. Es war ein großer Bulkan, der mich versuchte ins Leben zurückzuholen. Ich jedoch war nur in meinen grauenhaften Schreckensvisionen gefangen, unfähig die Wirklichkeit wahrzunehmen. Ich weiß nicht wie lange es dauerte, aber es mussten Tage oder Wochen vergangen sein bis ich wieder zu einem klaren Gedanken fähig war. Der große Bulkan versuchte mich etwas unbeholfen zu trösten, aber es gab keinen Trost. Die Tränen wollten nicht enden und auch der liebenswürdige Bulkan wurde immer trauriger. Er brachte mich zu einem Gebäude mit lauter Frauen und wünschte mir alles Gute. Er schenkte mir eine Kette mit einem wunderbaren Stein daran und sagte, wenn es mir schlecht ginge solle ich an ihn denken und diese Kette berühren. Ich bedankte mich und nahm die schöne Kette etwas verständnislos entgegen. Hätte ich doch nur einmal nach seinem Namen gefragt oder sonst etwas.

Die Frauen waren alle gut zu mir. Ich lebte einige Jahre in dieser Gemeinde, auch wenn es ein karges Leben war, so heilte es meine Seele. Ich vergaß die Schrecken und wurde sogar glücklich dort und fing an wieder zu lachen und ein Leben zu führen. Doch kehrten die Schrecken des Nachts in meinen Träumen wieder. Ich musste etwas unternehmen. Ich war feige davon gerannt, oh wie selbstsüchtig von mir. Hass und Rachegefühle zerstörten mein glück aufs Neue und so verabschiedete ich mich von den guten Frauen und zog los. Der Hass und die Rache gaben mir Kraft und so ging ich Tag und Nacht, manchmal ohne zu schlafen oder zu essen weiter und kam eines Tages an einem Ort namens Laglamia an. Ich traf viele Kämpfer, die das Schicksal hierher verschlagen hatte und beschloss zu bleiben. Vielleicht fand ich eine Spur der kaltblütigen Mörder meiner Familie und Freunde.

Ich begann meine Fähigkeiten als Kämpferin hier zu trainieren, doch musste ich schnell feststellen dass ich noch sehr ungeübt im Gebrauch mit Schusswaffen war und trainierte fleißig weiter. Als ich eines Tages im Jagdgebiet unterwegs war, auf der Jagd nach Tigern lernte ich einen jungen Menschenmann in meinem Alter kennen der mir prompt seine verzierte Kriegerrüstung schenkte. Ich war angetan von solch Großzügigkeit und wir wurden schnell Freunde. Schuessel und ich sahen uns noch oft wieder aber Jahre würden vergehen ehe wir wieder Seite an Seite kämpfen würden.

Kapitel 2

Ich war besessen von dem Gedanken meine Familie zu rächen. Ich kämpfe und kämpfte mich durch das gesamte Jagdgebiet durch. Wochenlang und Monatelang hatte ich kaum Kontakt zu anderen Bewohnern Laglamias, nur wenn ich Tavernen oder Straßenhändler besuchte um mir notwendigen Proviant und Munition zu kaufen. Ich jagte mir mein Essen und lebte vom Wasser in den Flüssen und den Früchten der Bäume und Sträucher.

Ich war in einem Wahn gefangen und erinnere mich nur an wenige lichte Momente, wo ein Wesen es schaffte den Eismantel um mein Herz zu lüften und mir ein nettes Wort zu entlocken. So wie mich vorher das Grauen festhielt so waren es jetzt der Hass und die blinde Wut. Ich wurde stärker mit jedem Atemzug und irgendwann beschlich mich Furcht vor mir selbst. Ich begriff erst viele Jahre später was in dieser Zeit geschah. Ich war einem Wandel sondergleichen unterworfen.

Als junges Mädchen war mir Gewalt fremd gewesen, doch nun war sie ein Bestandteil meines Lebens. Dann endlich öffnete ich die Augen und sah endlich die Welt wieder klar. Vielleicht brauchte ich diese Zeit um genug Stärke zu sammeln dieses harte Los zu überdauern ohne den Mut zu verlieren. Ich war kein junges Mädchen mehr, sondern eine erwachsene Frau.

Ich legte die Waffe beiseite und begann mir die Welt genauer anzusehen. Ich entdeckte einige Krieger und Magier aus meinem alten Dorf, die mir Trost und Zuversicht spendeten und mich in ihren Zirkel aufnahmen. Endlich fand ich eine zweite Familie. Der älteste Magier nahm mich an die Hand, wie ein kleines Kind und zeigte mir eine neue Welt, durch die wir mittels eines mystischen Energietores reisten. Man nannte diese Welt Dekardi und meine Augen schmerzten von dem furchtbaren Anblick.

Ich betrat die Burg des verlorenen Reiches und der Magier zeigte mir wo ich mir von nun an Ausrüstung besorgen könnte. Neue Aufgaben warteten auf mich und sehr seltsam anmutende Kreaturen die das Land unsicher machten. Ich zog mit neuem Mut über die grässlichen Felder, die wie der Vorhof der Hölle auf mich wirkten, doch hier fand ich schnell meine Grenzen.

Auf einem meiner endlosen Streifzüge, fand ich weit draußen in den Feldern eine Taverne. Nie zuvor hatte ich mich alleine so weit gewagt. Als ich die Taverne betrat und mir die Händlerin Neuigkeiten berichtete, überraschte mich ein Hirnkrieger. Ich hatte nie zuvor einen gesehen und mir blieb fast das Herz stehen. Der Hirnkrieger sah zu grässlich aus. Ich konnte nicht fliehen. Ich saß in der Falle. Ich sank in der Ecke zusammen und wartete auf das Ende. Meine Augen füllten sich mit Tränen und geistesabwesend berührte ich den Stein an der Kette. Ich sah wie der Hirnkrieger langsam auf mich zuschwebte und in meiner Not rief ich um Hilfe und ein bläuliches Licht umgab mich. Verwundert blickte ich um mich und auf einmal stand ich wieder in der Burg, gesund und munter. Ich wischte mir die Tränen weg und musste lächeln. Ein wahrlich tolles Geschenk und es hat mir das Leben gerettet. Der Stein leuchtete bläulich und in Gedanken dankte ich dem lieben Bulkan, der mir dies vor vielen Jahren schenkte.

Ich wurde mit jedem Tag stärker und schon bald zog ich marodierend über die Felder und metzelte die Monster zu Hauf. Etwa in dieser Zeit war es als ich das erste mal die Shilon-Felder betrat. Ich war fasziniert von diesen seltsamen Wesen die dort ihr Unwesen trieben. Stundenlang oft saß ich dort und sah mutigen Kämpfern dabei zu wie sie diese Monster zur Strecke brachten. Ich wollte auch schon so stark und erfahren sein aber das brauchte noch viel Zeit und Übung und jedes Mal ging ich traurig wieder zurück auf die Dekardi-Felder. Der Tag meiner Probe rückte näher und ich erwartete ihn sehnsuchtsvoll.

Wieder nahm mich der ältere Magier an die Hand und beschied mir dass es Zeit sei auf die Felder zu gehen und sich dem Ungeheuer zu stellen. Nervös begutachtete ich noch einmal meine Ausrüstung. Ich kontrollierte meine Rüstung und lud meine Laserschrotflinte durch. Ich achtete darauf genügend Heilkräuter und Munition dabei zu haben und dann schlugen wir uns den Weg frei zu der Stelle an der das Ungeheuer schon auf mich wartete. Ich erstarrte vor Schrecken beinahe. Ein riesiger Kampfriese stand vor mir, mehr als doppelt so groß wie ich selbst und ich fürchtete schon seine Schläge. Der Magier sprach mir Mut zu, doch die Angst wollte nicht weichen.

„Fang an Mädchen. Du schaffst es schon.“ Sagte er zu mir doch ich war mir nicht sicher ob ich dieser Aufgabe gewachsen war. Ich beschloss es zu versuchen und die Angst beiseite zu schieben. Zögerlich näherte ich mich dem Furcht einflößenden Monster und griff es an. Sofort stürmte es mich zu und ließ einen Hagel aus Schlägen auf mich einprasseln. Schwer atmend wich ich zurück und versuchte den mächtigen Kampfriesen auf Distanz zu halten, aber es gelang mir nicht. Er kam mir immer wieder in Reichweite und deckte mich mit Schlägen ein. Endlich gewann die Kampfroutine überhand und die Angst wich. Er war mächtig aber nicht unbesiegbar. Die Schläge waren hart aber ich hielt durch. Ich wollte über dieses Monstrum siegen und der Wille trug mich immer weiter. Endlich sah ich dass auch mein Gegner wankte und kurz darauf fiel er mit einem letzten Aufschrei krachend und polternd zu Boden. Ich musste schnell beiseite springen um nicht unter dem Monster begraben zu werden.

Schwer atmend kehrte ich zu dem Magier zurück. Ich atmete erleichtert auf und setzte ein strahlendes Lächeln auf. Ich erhielt einen wunderbaren Edelstein als Belohnung und die Freude darüber war groß. Der Magier lächelte mich an und sprach: „Ich habe nichts anderes von dir erwartet. Im Herzen bist du eine Kriegerin und du hast den Mut einer Löwin.“. Ich konnte nicht anders und musste laut lachen. Beschwingt kehrten wir in die Burg zurück und feierten in der Tavernen meinen Sieg über diese Kreatur.

Kapitel 3

Ruhe kehrte in mein Leben als Kriegerin ein und ich widmete mich der Aufgabe Körper und Geist im Kampf zu vereinen. Ich beschritt meinen Weg auf die Felder von nun allein, denn ich brauchte keinen Aufpasser mehr. Es war einsam auf den Feldern, aber gleichzeitig genoss ich die Ruhe und den Frieden. Es geschah in dieser Zeit, dass mich wieder die Neugierde plagte und so lud mich der Magier ein doch mit meinen Gildenbrüdern einen Ausflug nach Shilon zu unternehmen. Voll Freude nahm ich dieses Angebot an.

Endlich konnte auch ich mitkämpfen und nicht nur zusehen. Ich stand voll Begeisterung in der Stadt und sah eine Weile anderen Kampfgruppen zu während ich meine Ausrüstung überprüfte. Noch immer trug ich meine geliebte Laserschrotflinte mit mir herum, doch ich beschloss mir in nächster Zeit ein Killergewehr zuzulegen. Endlich trafen auch der Magier und meine restlichen Gildenkollegen ein und ich gesellte mich voll Vorfreude zu ihnen. Sie kannten die Silonfelder schon, aber für mich war es der erste Ausflug.

Ich war begierig darauf, die Felder zu erkunden, doch der Magier hielt mich zurück. Er meinte, wir warteten noch auf einen Mitstreiter. Ungeduldig trat ich von einem Fuß auf den andern und quengelte ein wenig. Leider gehört Geduld bis heute nicht zu meinen größten Tugenden. Doch endlich trat ein stolzer Bulkan aus der Menge hervor und schritt zu uns hinüber. Er begrüßte den Magier freundschaftlich und während er auch die anderen grüßte, besah ich ihn genauer. Er war gut einen Kopf größer als und seine dunkelblaue Rüstung gefiel mir. Er schien sehr stark und kampferprobt zu sein und meine Augen strahlten. Und dann wandte er sich auch mir zu und begrüßte mich freundlich. Und hier geschah es, dass ich mein Herz verlor an diesen stattlichen Bulkan. Ich war einfach hingerissen von ihm, auch wenn er mir etwas fremd erschien. Er erinnerte mich an den lieben Bulkan, der mir einst vor langer Zeit die Kette mit dem blauen Stein schenkte.

Meine Gedanken waren mit dem Bulkan befasst und so war ich nicht ganz bei der Sache als wir aus der Stadt hinaus schritten mit subsoil an der Spitze um den Dinos die Stirn zu bieten. Man warnte mich vor den grauenerregenden Finsteren Seelen, die die Geister gefallener Menschen wären, die unschuldig gestorben sind. Etwas verwirrt folgte ich der Gruppe und besah mir die Shilonfelder dann doch genauer. Es war etwas unheimlich hier.

Nachdem wir eine Weile gegangen waren, rief man mir zu, dass ich mich vorbereiten sollte. Wir würden nun bald auf Dinosaurier stoßen, die sehr gefährlich waren. Ich konzentrierte mich voll auf den Kampf und schon bald begegnete uns ein riesiger Pakikepaloid. Ich hatte gehörigen Respekt vor dem Monster, denn es war sehr groß und sah auch sehr stark aus, doch wir wurden schneller als ich dachte mit ihm fertig. Wir schritten weiter über die Felder und je weiter wir kamen umso mehr verschiedene Dinosaurier sahen wir. Ich stand da und betrachtete den sternenklaren Himmel als ich aufeinmal einen Warnruf hörte von subsoil. Ich wandte mich um und sah einen Raptor wie in Zeitlupe auf mich zukommen. Subsoil stürzte sich auf den Raptor aber er traf mich und biss mich in den Oberschenkel. Das Blut strömte aus der Wunde und mir wurde schwummrig. Ich sah noch wie subsoil schwer atmend zu mir lief als er den Raptor besiegt hatte und dann wurde mir schwarz vor Augen und ich sank zu Boden.

Als ich wieder die Augen öffnete hatte der Magier mein Bein verbunden. Zuerst spürte ich nichts,, doch dann lüftete sich der Schleier und der Schmerz schlug mit ganzer Grausamkeit zu. Ich stöhnte und biss die Zähne zusammen. „Was ist geschehen?“ brachte ich gepresst hervor. „Du lebst gefährlich Mädchen“. War das subsoils Stimme die ich da hörte? „Ein Raptor hat dich erwischt. Du hast mit offenen Augen geträumt du dummes Ding.“ Ja das war subsoil. „Keine Sorgen das wird wieder. Hier trink das, dann wird es dir besser gehen“ Der Magier reichte mir eine Flasche mit rotem Inhalt und ich trank sie ganz aus. Fast augenblicklich fühlte ich mich besser und der Schmerz ließ nach. Schon kurze Zeit später sah ich mit verwundertem Blick wie der Magier den Verband abnahm und mein Bein wieder heil war. Ich schallt mich in Gedanken selbst eine Närrin. Wie konnte ich so unvorsichtig gewesen sein, aber alleine subsoils Gegenwart brachte mich durcheinander. Ich seufzte und stand vorsichtig auf, doch der Schmerz war dahin.

Ich bedankte mich für den Ausflug und verließ Shilon fast fluchtartig. So hatte ich am Ende mein Herz an einen Bulkan verloren. Doch subsoils Bild in meinem Kopf war mit den Bildern der Peiniger meiner Familie und meines Dorfes überlagert. Ich versuchte mich gedanklich zur Ordnung zu rufen, doch immer wieder schweifte ich ab. Wenn ich die Augen schloss, sah ich die fürchterlichen Bulkan die wie Berserker über mein Dorf hergefallen waren. Ich wollte doch endlich nur Frieden.

Ich verscheute die Bilder wieder und wollte mich nach Deckadun begeben. Ich beschritt den Pfad noch immer leicht verwirrt und wollte heute Deckadun erkunden. Nach einem längeren Marsch kam ich dann auch dort an. Immer wieder suchte es mich heim von Zeit zu Zeit. Ich wollte das nicht mehr. Tränen rannen mir über die Wangen und ich kämpfte mich nach weiter unten durch. Ich hatte Angst vor den Gefühlen in mir. Was wenn ich sie nicht kontrollieren konnte? Doch damals war meine Sorge unbegründet, denn die wahre Natur dieser Liebe sollte sich erst viel später herausstellen.


Kapitel 4

Ich begann nun Deckadun und Deckaran zu erforschen. Ich lernte viele Leute kennen in dieser Zeit und ich kann nicht alle aufzählen, auch habe ich einige wieder vergessen die nur ein kurzes Stück des Weges mit mir gegangen sind. Wieder begann ein neuer Tag und es gab nur wenige Konstanten in meinem Leben. Ich legte meine Kundschafterrüstung und mein Killergewehr an und trat in den Sonnenschein hinaus und ich dachte dies ist kein guter Tag, doch ich wusste nicht warum.

Schlecht gelaunt brach ich nach Shilon auf, um mich einer Kampfgruppe anzuschließen, doch ich wurde ausgeschlossen. Betrübt zog ich mich zurück. Irgendetwas lag in der Luft, doch ich konnte nicht sagen was. Ich beschloss das Plateau zu besuchen und ein paar Kampfriesen zu verdreschen, doch waren mir andere Krieger zuvorgekommen und die Kampfriesen waren in die Flucht geschlagen worden. Ich setzte meinen Weg über die Felder fort und gelangte zu einer Stelle wo sich eine Horde Hirnkrieger versammelt hatte. Ich hörte einen hohen Schrei und stürmte sofort los.

Eine kleine Aidia war von den Hirnkriegern in die Ecke getrieben worden und ich eilte ihr sofort zur Hilfe. Wie eine Berserkerin kämpfte ich mich durch die Hirnkrieger durch um der Aidia beizustehen und konnte sie noch im letzten Moment herausholen und sie schnell zur nahe gelegenen Taverne bringen, damit sie sich erholen konnte. Sie war sehr dankbar, doch ich war nicht wirklich bei der Sache. Sie grüßte mich freundlich und ging dann zurück zur Burg.

Ich setzte mich auf eine Bank in der Taverne und aß eine Kleinigkeit. Was war nur los? „Nichts ist los, Kind“ hörte ich eine Stimme antworten. Erst begriff ich nicht, aber als ich den Blick auf den Platz gegenüber mir richtete sah ich meine Mutter dort sitzen. Mir fiel vor Schreck die Brotscheibe aus der Hand. „Bist du es wirklich, Mutter?“ flüsterte ich tonlos. „Nicht so wie du denkst, Liebes. Ich habe eine Botschaft für dich.“ Meine Mutter sah mich sehr traurig an und mein Herz blieb fast stehen. Ich konnte die Tränen kaum zurückhalten. „Du musst nicht so leiden, Kind. Du legst dir deine Qualen selber auf.“ Ich verstand nicht was sie meinte, doch bevor ich fragen konnte sprach meine Mutter schnell weiter: „Aber hör mir zu Kind, du bist in Gefahr. Jene die uns getötet haben sind nicht mehr weit, du musst gewappnet sein. Ich bin gekommen um dich zu warnen.“ Ich wollte sprechen, doch sie wischte meine Fragen mit einer ungeduldigen Geste beiseite. „Sei still und lausche. Sie werden im Morgengrauen hier sein und ein Dorf nahe der Küste Laglamias überfallen. Du musst dich in Sicherheit bringen, denn sie werden weiterplündern. Ich liebe dich“. Und damit war sie verschwunden und ließ mich mit einer Menge Fragen zurück.

Ich dachte ich hatte mit offenen Augen geträumt. Mit mühe würgte ich mein Essen hinunter und lief zurück zur Burg. Durch das Energietor würde ich schnell Laglamia erreichen. Ich war nicht gewillt vor diesen Monstern davonzulaufen, nicht noch einmal. Ich war kein dummes Kind mehr dem sie Angst einjagen konnten. Ich musste ihrem Treiben Einhalt gebieten, damit nicht noch mehr unschuldige Wesen ihnen zum Opfer fielen.

Wie besessen rannte ich durch die ganze Stadt um zu fragen wo es ein Dorf an der Küste gäbe. Erst nach einigen Stunden Redens und Suchens fand ich das Dorf. Es war ein kleines Dorf in dem größtenteils Aidias lebten. Es war bezaubernd und fügte sich in die Waldlandschaft ein wie wenn es natürlich so entstanden wäre. Die Aidias dort züchteten große weiße Tiger, die sie sehr verehrten und mit denen sie Seite an Seite lebten. Ich kannte nur die wilden weißen Tiger die mal als junge Kriegerin das Leben schwer machten. Doch schnell verlor ich die Scheu vor diesen wunderbaren Tieren.

Ich sprach mit der Dorfältesten. Sie hieß Arayana und ich mochte sie sofort. Ihre Töchter waren in meinem Alter und sie erschien mir sehr weise und liebenswürdig. Um so schlimmer war die Nachricht, die ich überbringen musste. Arayana war sehr besorgt und bat mich doch mich einmal auszuruhen und etwas zu essen, während sie mit den anderen sich besprechen würde.

Ich versuchte meine Gedanken zu ordnen, während ich aß und mich ein wenig zu entspannen. Der Kampf würde anstrengend genug sein. Arayanas älteste Tochter Eilinn holte mich von der Gästehütte ab und brachte mich wieder zurück zu Arayana. „Wir haben Späherinnen ausgeschickt und sie bestätigen deine Warnungen. Es sind ca 20 barbarisch gekleidete Bulkan, die hier in der Nähe lagern und betrunken am Lagerfeuer liegen. Sie scheuen die Nacht, aber sie werden im Morgengrauen hier herkommen“ Sie klang sehr besorgt und in diesem Moment schien sie mir um einiges älter. Tiefe Furchen durchzogen ihr Gesicht und sie blickte mich sehr kummervoll an.

Wir besprachen noch einiges mehr und mir wurde schnell klar, dass ich keinen Schlaf mehr finden würde. Wir schickten einige junge Frauen, die nicht kämpfen konnten mit den Alten, den Gebrechlichen und den Kindern fort, damit sie in die Stadt fliehen konnten. Als es dämmerte waren alle sehr hektisch und angespannt. Wir beschlossen die Hüttensiedlung ein wenig zu tarnen und uns in den Wald zurückziehen, da das Terrain dann auf unserer Seite wäre. Ich hatte einige Schwierigkeiten, da auf Bäume klettern nicht unbedingt etwas gewohntes für mich war. Die Aidias hatten da etwas mehr Vorteile, da sie fliegen konnten.

Kapitel 5

Wir waren kaum fertig mit der Tarnung als wir auch schon lautes Gegröhle und das Klirren von Waffen hörten. Ich sah wie die Tiger in Dutzenden aus den Wäldern strömten und sich den Plünderern in den Weg stellten. Eilinn neben mir kamen die Tränen als sie sah wie ein Tiger nach dem anderen kaltblütig von diesen Monstern abgeschlachtet wurde. Ich wollte irgendetwas Aufmunterndes zu ihr sagen, doch mir blieben die Worte im Hals stecken. Verständnislos starrten die Bulkan in der Gegen herum. In diesem Moment gab Ayarana das Zeichen zum Angriff.

Ich sprang von dem Baum auf den Rücken eines Bulkans und schlitzte ihm von hinten die Kehle mit meinem Messer auf. Ich war nicht mehr ich selbst. Es war als wäre ich weit weit weg und jemand anders wäre in meinem Körper. Ich war auf den Platz des Zuschauers verbannt worden. Ich fühlte nichts als auch der zweite Bulkan von mir regelrecht durchsiebt wurde. Am Rande sah ich die Aidias die Geister der toten Tiger beschworen und sich heldenhaft gegen die Bulkan zur Wehr setzten, doch ich fürchtete dass sie das nicht lange durchhalten würden.

Es waren nur noch die Hälfte der Bulkan über als ich einen furchtbaren Schrei hörte. Es war Ayarana, die geschrieen hatte und sich auf einen riesigen Bulkan stürzte. Ich hielt inne und sah Eilinn erschlagen am Boden. Es war dieser Moment als ich wieder ich selbst war und auf den großen Bulkan zustürmte. Er rief den andern etwas zu, dass ich nicht verstand. Meine Kugeln prallten an seiner Rüstung ab. Ich warf mein Gewehr beiseite und zog meine beiden Langdolche aus den Stiefel. Er schlug mit seinem Schwert nach mir doch ich wich behände aus. „Beende das“ zischte ich ihm zu, doch er gröhlte nur und lachte höhnisch. Was waren das nur für Tiere.

Er traf mich mit dem Schwert in die Seite und ich sank in die Knie vor Schmerz. Keuchend kam ich wieder auf die Beine und suchte nach Schwachstellen in der Rüstung und prompt fand ich auch eine. Ich entdeckte eine freie Stelle am Hals wo der Brustharnisch aufhörte und ich rammte ihm den Dolch mit aller Kraft hinein. Ich hatte längst Blut geleckt und hier entlud sich all der Schmerz und die Wut. Ein Triumphgebrüll entrang sich meiner Kehle und ich schrie all meine Wut, meinen Hass und meinen Schmerz hinaus. Es war überstanden, endlich war es vorbei. Ich sank weinend zusammen wie ein kleines Kind als ich mich umsah und alle die toten Tiger und Aidias sah.

Nach 2 Tagen und Nächten wurden die Toten bestattet. Ayarana stand umringt von ihrer jüngeren Tochter Amru und den anderen Dorfbewohnern an der Küste wo die Eilinns Leiche aufgebahrt wurde zur Verbrennung. Sie weinte nicht aber die Qual war ihr ins Gesicht geschrieben. Ich weinte bittere Tränen und diese nette junge Frau.

Amru nahm die Fackel aus der Hand ihrer Mutter und zündete die Scheiterhaufen an, Eilinns zuletzt. Ayarana ergriff meine Hand und nun sah ich auch bei ihr Tränen. Amru kehrte zu uns zurück und ergriff die andere Hand ihrer Mutter. Verzweiflung beschlich mich. „So habe ich doch versagt“ flüsterte ich mehr zu mir selbst. „Viele haben überlebt und selbst wenn nur einer überlebt hätte, so hätten wir nicht versagt“ hörte ich Amru sagen. Es tröstete mich ein wenig, doch wirklich Erlösung fand ich in diesen Worten nicht.

Ayarana überwand sich und sammelte dann die Asche der Opfer ein und streute sie ins Meer. Die Aidias kehrten zurück ins Dorf und ich rechnete damit, dass sie anfangen würden aufzuräumen und wieder aufzubauen, doch im Gegenteil sie packten ihre Sachen. Und ich sah wie sie alle nahmen was sie tragen konnten und mit ein paar jungen weißen Tigern die ihnen geblieben waren, gingen sie in den Wald.

„Wir kehren in den Wald zurück. Hier haben wir zuviel verloren“ sagte Arayana traurig. Ich verabschiedete mich von ihr und Amru und zog mit schwerem Herzen zurück in die Stadt. Und hinter mir ließ ich die verfaulenden Leichen der Bulkan, über die sich die Raben hermachten, so wie es ihnen gebührte.

Erst Jahre später ging ich noch einmal zu dem Dorf. Die Hütten standen noch immer dort, doch nur mehr die weißen Tiger lebten dort, die verzweifelt die Ruinen verteidigten. Nirgendwo traf ich Ayarana oder Amru oder eine andere Aidia. Ich blieb die ganze Nacht und hoffte, dass sie sich zeigen würden, doch ich sah sie nie wieder.


Kapitel 6

So wie es schien war der Alptraum endlich vorbei und meine Familie gerächt. Ich hoffte, dass sie nun in Frieden ruhen würden und auch ich Frieden finden würde. Ich gedieh und ging ganz in meiner Leidenschaft für die Kriegskunst auf, bis mich eines Nachts wieder die Vergangenheit einholte.

Ich schlief tief und fest und ich sah einen leuchtenden Engel von den Himmelsstufen hinabsteigen. Es war unzweifelhaft meine Mutter, die ich sah. Ich rannte in meinem Traum auf sie zu und umarmte sie und ich sah wieder ihr warmes und herzliches Lachen. Welch ein Wunder, das konnte nur ein Traum sein. „Es ist nicht wirklich ein Traum, mein Kind. Nenne es einen Abschied.“ Hörte ich die Stimme meiner Mutter in meinen Gedanken. Ich war verwirrt, ob der Worte meiner Mutter. Welcher Abschied?

„Wir wurden gerufen und werden nun einem besseren Leben entgegenstreben“ sprach meine Mutter weiter. „Doch ich wollte dir noch Leb Wohl sagen, mein Liebes. Es gibt noch eine Aufgabe, die deiner harrt und für die du deinen ganzen Mut brauchen wirst. Sorge dich nicht, du wirst sie bestehen, aber du wirst einen hohen Preis zahlen müssen und weise wählen müssen.“ Ich verstand die Worte meiner Mutter nicht, doch ich sah sie entschwinden. „Suche nach deiner Schwester Mayaserena. Du wirst sie erkennen wenn du sie siehst. Wir lieben dich.“ Und dann war sie weg und ich fühlte schmerzlich die Leere in mir.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, versuchte ich mir klar zu werden über die Worte meiner Mutter. Ich hatte keine Schwester namens Mayaserena. Meine Schwester Celine starb bei dem Überfall auf das Dorf. Das Bild ihrer geschändeten Leiche zog durch meine Gedanken, aber ich hatte einen gewissen Abstand gewonnen in den Jahren die vergangen waren. Der Schmerz wurde schwächer und der Hass war mit den Bulkan die ich getötet hatte gestorben. Ich schob das alles beiseite und konzentrierte mich wieder auf die Kunst des Kampfes. Ich war stark geworden, aber noch nicht so stark wie ich es wollte.

Ich fand an diesem Tag ein seltsames Ei und ich beschloss es auszubrüten. Ich wusste nicht genau, was aus diesem Ei schlüpfen würde, aber die Neugier war größer. Ich nahm das seltsame Ei mit nach Hause und zeigte es stolz Subsoil. Er meinte darauf, dass aus diesem Ei ein Labiyong schlüpfen würde, eine Art Minidrache. Ich war fasziniert von dem Gedanken so ein Tier als Weggefährten zu haben, doch er warnte mich eindringlich vor der Verantwortung und der Zeit und Liebe die ich in dieses Tier investieren musste.

Es dauerte fast einen ganzen Tag und bald hörte ich das leise Kratzen und Brechen, als das Tier die Schale des Eis durchbrach. Ich war überwältigt für Freude und sofort entfachte dass putzige Tierchen Liebe in meinem Herzen. Ich taufte das Labiyong auf den Namen Eric und holte Subsoil. Ich wollte, dass er diese Freude mit mir teilte und ich beschloss, dass er der „Vater“ des Tieres sein sollte. Oh wie sehr sollte ich mich täuschen. Ich hatte die Vorstellung einer kleinen Familie und sie sollte grausam zerschlagen werden.

Er wies mich schroff zurück und er wies Eric schroff zurück. Mein Herz blutete und Eric war traurig. Ich hoffte, dass mit der Zeit auch in Subsoil Liebe entstehen würde und wenn schon nicht zu mir dann wenigstens zu Eric. Eric mochte Subsoil von Anfang an und auch er war enttäuscht, begriff er doch nicht was vor sich ging. Ich beschloss fortan meinen eigenen Weg zu gehen und kehrte Subsoil und allem was ich liebte außer Eric den Rücken.

Eric war sehr schwach und ich beschloss auf ihn zu achten und ihn groß zu ziehen. Er war alles was mir noch geblieben war und ich beschloss, dass ich ihn nicht verlieren würde. Die Liebe zu Subsoil brannte heiß in meinem Herzen, aber Eric konnte ich nicht einfach sich selbst überlassen. Ich fand meinen Trost darin, Eric beim Wachsen zu zusehen und zu sehen wie er mit jedem Tag stärker wurde.

Ich versuchte einen Konsens mit Subsoil zu finden, doch er blieb unnachgiebig. Schweren Herzen hoffte ich dass er eines Tages, den Zwiespalt verstehen würde der mein Herz zerriss. Doch es würde eine ganze Weile dauern, bis mir klar werden würde, dass Subsoil eben Subsoil war und nicht das Bild dass ich in meinem Kopf hatte, so wie ich ihn gern haben würde. Meine Mutter sah ich nicht wieder und auch schnell vergaß ich auf Mayaserena.

Kapitel 7

Eric blühte unter meiner Erziehung auf und ich erfreute mich daran. Mein Leben war in Ordnung äußerlich gesehen, aber die Gefühle in meinem Herzen ließen mir keine Ruhe. Ich hatte das Gefühl in einem ewigen Kreislauf aus Schmerz zu stecken und der Eindruck, mein halbes Leben knietief in Schuldgefühlen zu waten bemächtigt sich meiner.

Eric bezwang große Skorpione und ähnliches im Dutzend und ich sah ihm gern zu, wie er im Kampf aufging. Es war herrlich, die Früchte meiner Liebe und meiner Arbeit zu sehen. Nur gelegentlich brachte ich Eric zum Tierarzt um selbst ein wenig auf die Jagd zu gehen und in Übung zu bleiben. Bald war ich auch soweit die untere Ebene von Deckaran zu erkunden. Doch ich stieß schnell an meine Grenzen und sah mich schon fast gezwungen meinen Alleingang aufzugeben. Doch ich sah zu Subsoil auf und in meine Gefühle für ihn schlich sich etwas ein, dass ich nicht sofort bemerkte.

Unser Umgang war sehr kühl nach unserer letzten Auseinandersetzung, aber der Tag an dem auch er ein Ei nach Hause brachte um es auszubrüten, hätten das Eis brechen können, wäre ich nicht so stur gewesen. Ich sah, dass er mir die Hand entgegen streckte, doch ich konnte meinen Stolz und meinen Schmerz nicht überwinden und so tat ich ihm das gleiche an wie er mir damals. Auch ich konnte nicht aus meiner Haut. Es tat mir leid, dass ich diesen Augenblick verstreichen ließ und undeutlich spürte ich, dass mir vielleicht nicht mehr viele solcher Gelegenheiten gegeben waren.

Eine Zeit lang führte ich diese Auseinandersetzung weiter, bis sich irgendwann Resignation in mir breit machte. Ich gab einfach auf, auch wenn es sonst nicht meine Art war. Ich war von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen zerfressen und die Unwissenheit plagte mich. Subsoil brachte es immer wieder fertig, mich in Unklarheit zu lassen und ließ mich in Unsicherheit waten. Ich konnte ihn nicht durchschauen und ich rannte sprichwörtlich immer wieder in eine Mauer. Jedes scharfe Wort von ihm bohrte sich wie ein Messer in meine Brust und mit der Zeit begann ich es ihm heimzuzahlen. Ich wollte, dass er litt wie ich und sah was ich durchmachte, doch er blieb gelassen. Ich rannte gegen eine Mauer und ich war ohnmächtig vor Wut und Verzweiflung, dass ich diesen Narren trotz alldem mehr als alles andere liebte.

Ich geriet außer Kontrolle und rannte immer weiter gegen die Wand namens Subsoil. Er schien soviel Gefühle wie ein Stein zu haben und es machte mich schier rasend. Meine eigene Unzulänglichkeit und Subsoils scheinbare Kälte und Gleichgültigkeit brachten mich eines schönen Tages dem Wahnsinn ein Stückchen näher und so verwickelte ich ihn in ein Gespräch mit keinem geringeren Ziel als alles hinzuschmeißen. Mein Herz blutete aber ich war am Ende. Ich konnte nicht mit ihm und nicht ohne ihn und so erschien mir ohne ihn als die bessere Lösung.

Ich stand auf einem einsamen Hügel in Laglamia und wollte Subsoil eine letzte Chance einräumen, er möge doch endlich zu Eric und mir stehen und endlich diesen Streit beilegen und eine Zukunft mit mir beginnen, doch er blieb wieder hart wie ein Stein und sagte er brauche Zeit. Er versprach mich eines Tages zu heiraten, doch ich wollte endlich klare Verhältnisse. Ich verfiel in blinde Wut, denn Zeit war etwas was ich nicht hatte, da der Wahnsinn vor meiner Türschwelle stand. Ich kühlte mich ab und sah endlich ein, dass Subsoil nie der Mann sein würde, den ich mir erträumte. Ich weinte stumme und bittere Tränen als ich ihm mitteillte, dass ich es leid sei immer auf die lange Bank geschoben zu werden. Ich war einfach nur fertig und es ging nicht mehr. Eine lange Reihe „Was wäre wenn’s“ zog an mir vorüber und dann war es vorbei. Sang und klanglos ging ich unter und gab meinen verlorenen Posten auf.

Der Zorn und die Wut in mir verließen mich mit diesen stummen Tränen, aber die Liebe blieb und ich versank in dumpfe Traurigkeit darüber dass sich alle meine Pläne nun zerschlagen hatten. Ich suchte mein Heil in der Gesellschaft anderer und auch Eric gab ich im Tierheim ab. Ich hatte nicht viele Freunde, doch sie standen mir in dieser Zeit bei. Ich hörte nicht mehr viel von Subsoil, doch ich wurde mir nie darüber klar was er für mich fühlte oder ob ich ihm wehtat. Ich schaute oft zurück und war sehr traurig, aber der Schmerz war nicht mehr so stechend und heiß wie früher.

Ich begann mir einen neuen Zeitvertreib zu suchen und ich bemerkte gleichgültig wie ich insgeheim vereinsamte. Rosensturm zog mich wie ein Wirbelsturm hinter sich her in einen ewigen Kampf und schnell ließ ich alles hinter mir. Ich wurde endlich so stark wie ich es wollte und begann mich langsam wieder abzuspalten. Ich hatte genug Gesellschaft gehabt und war an einem Punkt angelangt, wo es mir erstrebenswert schien ein Einsiedlerleben zu führen. Ich verließ mein Häuschen in Laglamia und zog in eine Höhle in den Dekardi-Feldern um, wo ich vollkommen zurückgezogen lebte. Doch eines Nachts wachte ich mit einem erstickten Schrei aus wirren Visionen wach und ich begriff, dass ich mich hier nicht verstecken konnte und da draußen noch Aufgaben auf mich warteten.

Kapitel 8

In diesen Tagen träumte ich von schrecklichen Dingen. Ich sah missgestaltete Monster und furchtbare Orte, die ich kaum zu beschreiben vermochte. Ich war noch nicht vollends bereit meine Höhle zu verlassen. Noch immer quälten mich Selbstzweifel und die Gefühle in meinem Herzen. Ich baute eine Wand in mir auf und wurde kalt, sehr kalt. Ich musste mich schützen und den Kopf frei halten.

Es dauerte Jahre bis ich soweit war meinen Visionen nachzugehen und meine Schritte führten mich erneut nach Shilon und ich begann dieses Gebiet genauer zu erkunden. Irgendwo musste es einen Weg geben, der mich weiter führte. Ich brauchte einen Anhaltspunkt und ich wanderte viele Tage ehe ich einen fand. Ich traf des Nachts einen Wanderer, den mein Lagerfeuer wohl angelockt haben musste. Er berichtete mir von einem Ort namens Searoost, wo gar schreckliche Ungetüme hausten. Nach einiger Zeit beschrieb er mir auch den Weg und eine leise Stimme in mir sagte mir, dass dies der Ort war nachdem ich suchte.

Der Wanderer begleitete mich ein Stück des Weges, doch bald trennten sich unsere Weg und ich machte mich auf zur Schlafenden See um nach diesem Ort zu suchen. Auf meiner Reise begleiteten mich meine Visionen und je nähere ich Searoost kam, desto stärker wurden sie. Trotz aller Klarheit der Träume verstand ich doch nicht deren Sinn. Und des Nachts begann ich wieder zu träumen.

Ich sah einen unvertrauten Ort und immer wieder hallten die Worte : „Komm zu mir“ durch meinen Geist. Ich fühlte mich beobachtet und das behagte mir gar nicht. Doch bald erreichte ich Searoost und begann in den finsteren Dungeon hinab zu steigen. Als ich unten ankam bestätigte sich das Gefühl, das mich hier her geleitete und ich fand mich in meinen Träumen wieder. Die Bilder der rothaarigen Frau zogen wieder durch meine Gedanken und ich sah mich um. Ich sah andere Krieger hier und ich fragte mich eine Weile durch, doch sie hatten die mysteriöse Frau nicht gesehen. Noch immer hoffte ich, dass das alles nur böse Träume waren, doch die Hoffnung schwand mit jedem Schritt den ich machte.

Ich trat zögerlich hinaus und musste bald feststellen, dass dies kein Spaziergang in Laglamia war. Oft konnte ich mich nur im letzten Augenblick retten und der blaue Stein in meiner Kette bewahrte mich mehr als einmal vor schlimmerem. Unablässig flüsterte die Stimme in meinem Kopf und wies mir den Weg und bald kam ich im Unterdorf an. Ich wusste, dass ich der Stimme schon sehr nahe war, wurde sie doch von Meter zu Meter stärker.

Ich folgte der Stimme mit geschlossenen Augen und beobachtete nur ab und zu mein Radar. Ich sah manch furchterregendes Monster, doch die Angst wich schnell. Die Monster waren stark, aber nicht unverwundbar und schnell fasste ich neuen Mut. Ich konnte endlich in meine Fähigkeiten vertrauen und war nicht mehr das Anhängsel irgendeines Mannes. Mit Zuversicht schritt ich weiter und begann der Stimme in meinem Kopf zu vertrauen.

Ich drang immer tiefer ein und bald erreichte ich das dritte Untergeschoss und begann an meine Grenzen zu stoßen. Viele Fallen musste ich umgehen und die Monster wurden zunehmend zahlreicher und stärker. Was sollte ich nur tun wenn ich nicht die Kraft hatte weit genug zu kommen, doch die Stimme in meinem Kopf sagte mir: „Ich bin doch hier“ und ich wandte mich um und da stand sie, die Frau aus meinen Träumen.

Sie war anderer Natur und gleich wusste ich, dass es nur Mayaserena sein konnte, von der Mutter einst sprach. „Du siehst es richtig, liebe Schwester. Wir sind Schwestern im Geiste und werden einen langen Weg gemeinsam gehen. Ich bin vom Volk der Kailipton und eine mächtige Magierin.“ Ich war ein wenig verschreckt, doch Mayaserena beruhigte mich und begann mir von ihr zu erzählen.

Sie war exakt so alt wie ich und eine erstaunliche Frau. Sie erzählte mir von intressanten Orten und Begebnissen und bald stellte ich fest, dass an ihren Erzählungen etwas nicht stimmte und sprach sie darauf an. „Aber ja liebe Schwester, ich erinnere mich an Dinge die länger zurückliegen als mein Volk sich erinnert. Ich bin Die-die-sich-erinnert. Ich berge alle Erinnerungen meines Volkes um es nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“ Antwortete sie mir.

Mayaserena erzählte mir stundenlang geduldig Geschichten über ihr Volk und die Besonderheiten der Kailiptons. Ich war fasziniert von ihr und ich ertrank buchstäblich in ihren goldenen Augen. Ich vergaß alles um mich herum, als ich ihren Geschichten lauschte und die Welt wurde unwirklich für mich. Ich tauchte in Mayaserenas Reich ein, das Reich der Träume und ich war berauscht und überwältigt und ich sah die Dinge an die sie sich erinnerte.

Ich weiß nicht wie viel Zeit ich in diesem Sinnesrausch verbrachte, noch kann ich mich an etwas genaues erinnern. Eines Tages jedoch sagte Mayaserena ich müsse nun gehen. Mein Herz krampfte zusammen und ich flehte sie an, mich nicht fortzuschicken, doch es musste so geschehen. Widerwillig verließ ich Mayaserena und zog wieder hinaus um mein Glück und mein verlorenes Herz zu suchen. Dieser Strudel an Gefühlen zog mich weiter doch nie mehr würde ich diese goldenen Augen vergessen und noch oft sollten sie mich in meinen Träumen heimsuchen.

Kapitel 9

Ich fühlte mich wie eine Ausgestoßene, ungeliebt und ungewollt. Ich suhlte mich in meinem kindischen Selbstmitleid und fragte mich wann endlich wieder die Sonne für mich scheinen würde. Brachte ich wirklich nichts fertig? Ich schlug den Weg zu meiner Höhle ein, doch ich verwarf den Gedanken schnell wieder. Was sollte ich dort tun? Wollte ich mich denn wieder wie ein Kaninchen verstecken?

Ich hatte kein zu Hause und das erste Mal überkam mich bei dem Gedanken daran ein wehmütiges Gefühl. Ich hätte einen anderen Weg einschlagen können und dann begriff ich die Worte, die meine Mutter mir vor vielen Jahren sagte. „Du musst nicht so leiden, Kind. Du legst dir deine Qualen selber auf.“ Hallten ihre Worte durch meine Gedanken. Ich hätte ein ruhiges Leben haben können und mir ewig vorwerfen können, die Einzige Überlebende gewesen zu sein und nichts gegen die Schlächter meiner Familie getan zu haben.

Ich wanderte ziellos umher und überließ es Eric den Weg auszusuchen. Ich zog heimatlos umher und kam durch so manches Dorf, aber nichts hielt mich. Ab und an träumte ich von Mayaserena und wie sie sich in Krämpfen wand, doch sie hatte mich verbannt und ich hatte nicht den Mut ihr gegenüber zu treten. Ich weinte bittere Tränen wenn ich aus einem solchen Traum aufwachte. Ich sehnte mich nach ihr und ich begriff dass sie wahrlich meine Schwester war.

Nichts berührte mich und ich schuf eine Mauer zwischen all dem Geschehen und mir. Ich schwebte durchs Leben und meine Seele erholte sich. Ich wollte Frieden und Freiheit und ich hatte endlich beides und so zogen die Jahre dahin, bis eines Tages Mayaserenas Stimme durch meinen Kopf hallten: „Schwester, ich sterbe. Ich brauche dich!“ Furcht umfasste mein Herz und ich fasste geistesabwesend an den blauen Stein an meiner Kette und schloss die Augen, in Gedanken bei Mayaserena weilend.

Und der Stein wurde warm in meiner Hand und als ich die Augen öffnete stand ich vor Mayaserena. Sie lag auf dem Boden, verkrümmt und sichtlich gealtert. Ich lief auf sie zu und machte mir keine Gedanken über das Wunder, das dieser Stein ausgelöst hatte. „Schwester…“ flüsterte ich mit tränenerstickter Stimme „was ist geschehen?“. „Der Stein, Cymoril, der Stein…“ presste sie zwischen ihren verkrampften Lippen hervor. Ich gab ihr den Stein und legte ihn ihr um den Hals. Ich bemerkte wie der Stein schwarz wurde, aber wieder schob ich es beiseite.

Nachdem Mayaserena wieder halbwegs atmen konnte, richtete ich sie auf und brachte sie zu einem bequemen Sessel in der Nähe und forderte sie auf zu erzählen. Sie winkte ab und sagte, die Zeit sei knapp und ich müsste etwas für sie besorgen. „Was soll ich mit dieser sonderbaren Schale, Schwester?“ fragte ich sie, nachdem sie mich anwies die Schale zu nehmen. „Nimm die Schale mit dir und sammle die Tränen eines Neugeborenen. Diese Tränen heilen mein Leiden. Geh schnell, der Stein wird dir den Weg weisen.“ Sie gab mir den Stein wieder zurück und besorgt sah ich wie sie sichtlich um Luft ringte.

Die Sorge machte mich blind und schweren Herzens wandte ich mich um und holte Eric um loszuziehen. Wie sollte mir der Stein den Weg weisen und wie sollte ich meine Aufgabe bewerkstelligen? Ich wusste nicht ein noch aus, doch als ich hinaustrat umhüllte mich wieder das Licht des Steins und ich stand in einem brennenden Dorf. Verwirrt blickte ich mich um und machte mir zum ersten Mal Gedanken, wie der Stein das bewerkstelligte, doch schwach hörte ich den Schrei eines Kindes und schob die Gedanken wieder beiseite.

Eric flog los und kam mit einem Bündel zurück. Ein Baby war darin eingewickelt. Ich fasste das Kind sachte an und fing die Tränen mit der Schale auf. Als ich dies getan hatte, gab ich Eric die Schale der sie für mich im **** trug, während ich das Kind beruhigte. Leise begann ich ihm ein Lied vorzusingen, während ich hin und her wanderte um die Eltern zu finden. Bald fand ich am Rande eine verzweifelte Frau und meine Intuition bewies sich als richtig. Sie riss mir das Kind förmlich aus den Armen aber ich sah schon nichts mehr, da mich wieder das Licht des Steins umhüllte.

Ich war wieder bei Mayaserena und schnell brachte ich ihr den Stein und die Schale. Bald konnte sie sich wieder vom Krankenlager erheben und in Stundefrist wolle sie hinab in den Keller gehen um die Medizin zu brauen. Ich legte mich auf eine bequeme Liege und schloss die Augen. Ich war zu Tode erschöpft und brauchte dringend Schlaf. Eric neben mir war sehr unruhig, doch ich beruhigte ihn und sah für seine Aufregung keinen Grund. Schnell glitt ich in wirre Träume, in denen ich meine Mutter sah, doch ich verstand sie nicht. Sie sah sehr ängstlich aus und versuchte mir etwas zu sagen, doch ein blühender Garten lenkte mich ab, der mir Frieden versprach.

Kapitel 10

Als ich aufwachte, sah ich Eric der panisch die Augen rollte. Was hatte er nur? Ich versuchte ihn zu beruhigen, doch es gelang mir nicht. Ich erhob mich von der Liege und sah mich um, doch ich entdeckte nirgends Mayaserena. Es war sehr dunkel in der Hütte und das wunderte mich doch sehr. Ich begann nach Mayaserena zu suchen, doch eine leise Stimme in mir warnte mich davor. Ich wischte es beiseite und stieg hinab in den Keller.

Ich wollte durch die Türe gehen, doch sie war verschlossen. Sie sah nicht sehr stabil aus und so beschloss ich sie einzutreten. Eric flog hinter mir her, noch immer panisch. Ich verstand nicht was los war und ein dumpfes Gefühl regte sich in mir. Die Tür flog auf, doch eine unsichtbare Wand hielt mich davon ab den Raum zu betreten, doch was ich sah nahm mir den Atem.

Mayaserena stand inmitten des Raums, ihr Gesicht zu einer Fratze verzerrt und überall tanzten kleine Lichter um sie herum. Ich wollte das nicht wahrhaben und dachte an Glühwürmchen. Wie absurd das doch alles war. Wo die Lichter sie berührten wurde sie zu Eis und dann zu Feuer und sie krümmte sich vor Schmerzen. Was im Namen der Göttin ging hier vor? Sie schien mich nicht zu bemerken und so stahl ich mich davon. Ich hatte genug gesehen.

Als ich mich umwandte, sah ich wie der Boden irgendwie seltsam flüssig wurde. Es sah aus wie Teer und schnell begriff ich, dass ich festsaß. Eric flog im Kreis und sabberte. Es schmerzte mich ihn so zu sehen. Ich liebte Eric doch so sehr. Ich schlüpfte schnell aus meinen Stiefeln und zog Eric mit mir hinauf. Wir mussten raus hier.

Als ich oben ankam und zur Tür hinauswollte stand Mayaserena davor. Ich zuckte zusammen vor Schreck und Eric stürzte sich auf sie. „Eric!Nein!“ schrie ich aber sie wischte Eric beiseite und er flog an die Wand. „Eric…“ wimmerte ich. „Wieso hast du das getan?“ schrie ich voll Kummer. „Weißt du das immer noch nicht meine Schwester?“. Sie spie das Wort Schwester förmlich aus und lächelte mich gelassen an. Wie konnte diese Frau meine Schwester sein und dann begriff ich. Sie war mein dunkler Zwilling und ich erinnerte mich schlagartig an die Legende die mir Mutter immer und immer wieder erzählte, als ich noch sehr jung war. Unser Schicksal und unser Leben waren verwoben.

Mayaserena lachte gehässig und ging langsam auf mich zu. Die Leichtigkeit ihres Schrittes verwunderte mich aber der Hass keimte auf und schnell fasste ich einen Plan. Ich musste sie vernichten aber das wie war mir etwas unklar. „Du kannst mich nicht vernichten, kleines Menschenmädchen. Das wäre dein Ende und das würdest du nicht wagen.“ Sie spielte mit dem Stein an der Kette. „Dieser Stein verbindet uns und ist er einmal zerstört ist es auch dein Ende, liebe Schwester. Bald wirst du deine Familie wieder sehen, bald kleine Schwester“ Ein seltsames Lächeln lag um ihre Züge und mir wurde schlagartig klar was hinter all den seltsamen Zufällen in meinem Leben steckte.

„Aber ja doch, schön dass du endlich die Augen öffnest. Meine Freunde haben ganze Arbeit geleistet. Schade, dass du sie getötet hast, aber sie hatten ohnehin ihr Werk erfüllt. Sie waren dumm und das war ihr Schicksal. Arme törichte Wesen wie du eines bist mit all deiner Moral und deiner Engstirnigkeit.“ Ich traute meinen Ohren nicht. Ich konnte nicht glauben was ich hörte und ich wollte es auch nicht. Ich sah zu Eric doch er rührte sich nicht. Ich sah, dass er nicht mehr atmete und mein Herz lag in Trümmern. Ich hörte auf klar zu denken und wappnete mich meinen Plan in die Tat umzusetzen.

„Wenn der Lebensstein erst vernichtet ist, wirst du fallen und ich im Glanze erstrahlen. Alles ist bereit also komm Schwester.“ Sie erfasste mein Handgelenk und zerrte mich den Keller hinab. Ich hörte wie mein Handgelenk zersplitterte, doch längst spürte ich nichts mehr. Als wir unten ankamen, sah ich wieder die Lichter doch sie wirkten nun nicht mehr wie Glühwürmchen sondern wie unheimliche Irrlichter. Ich sah die Schale auf einem Tisch und ich sah einen Dolch neben der Schale liegen.

Mayaserena zerrte mich zu dem Tisch und stieß mich auf den Boden. „Sieh hin, Schwester wie ich den Lebensstein vernichten werde.“ Ich sah wie sie den Inhalt der Schale über den Stein goss und der Stein sich wieder blau färbte und ich hörte wie die Stimme in mir rief ich müsse handeln. Ich fühlte die Gegenwart meiner Familie und meines Liebsten und ich stählte mein Herz mit aller Liebe die ich in mir hatte, auch Eric war bei mir auch wenn es nur sein Geist war.

Blitzschnell sprang ich vor und brachte den Dolch in meine Gewalt. Ich hastete zurück und hörte wie sie lachte. „Ich sagte dir doch, dass du mich nicht töten kannst, also gib mir den Dolch wieder“. Ich begann zu lächeln und hob den Dolch, doch statt ihn gegen sie zu richten, richtete ich den Dolch gegen mich selbst. Ich sah wie sich Mayaserenas Gesicht veränderte und wie Selbstgefälligkeit purer Angst wich. Ich spürte es nicht wie der Dolch in meinen Körper drang, doch ich fühlte wie das Blut warm an mir herab rann und ich sah wie ihre Augen dunkel vor Schmerz wurden. Ich brach zusammen, doch bevor ich ohnmächtig wurde sah ich wie auch sie zusammenbrach.

Kapitel 11 – Epilog

Als ich ohnmächtig wurde, versuchte Mayaserena an den Stein zu gelangen, doch er bewegte sich wie von selbst zu mir und verwuchs mit der Stelle wo der Dolch steckte. Ich spürte keinen Schmerz und ich fühlte mich seltsam frei und glücklich. Ich sah meine Brüder und Schwestern und auch meine Eltern. Meine Mutter sah mich traurig an.

Sie wollte mich warnen, aber sie wusste ich musste mein Schicksal erfüllen. Etwas traurig blickte ich auf meine Liebe zu Eric und meine Liebe zu Subsoil zurück. Was würde nur aus ihnen werden aber es berührte mich nicht mehr. Ich würde die beiden weiterlieben und eines Tages würden wir uns wieder sehen. Ich hatte meine Aufgabe erfüllt und Mayaserena war endgültig tot und der Fluch gebrochen.

Ich begriff, dass ein Ende ein Neuanfang ist und schaute freudig nach vorwärts auf das Licht. Meine Mutter war an meiner Seite, doch ich musste meinen Weg allein gehen. Noch einmal schaute ich zurück und eine einzige silberne Träne floss aus meinem rechten Auge und dann drehte ich mich um und ging ins Licht und nahm alle Liebe mit mir. Ein neuer Tag und ein neues Leben würden kommen, denn auf das Ende folgt ein neuer Anfang. ENDE

Kapitel 1 - Ein neuer Anfang

Stille. Dunkelheit. Dann ein Gedanke: Ich lebe. Ich schlug meine Augen auf und das erste was ich erblickte, war der blaue Himmel. Ich weiß nicht wie lange ich auf die Wolken starrte, bis ich begriff was es bedeutete. Ich verbrachte Stunden damit, raus zu finden was vor sich ging. Bruchstückhaft kehrte die Erinnerung zurück und der Schmerz. Was war geschehen? Ich lag noch immer auf dem weichen Gras und starrte zum Himmel, auf dem nun Sterne erschienen.

Mein Körper machte sich bemerkbar. Meine Kehle brannte und mein Magen knurrte. Ich musste essen und trinken, dämmerte es mir. Ich versuchte mich zu erheben, doch der Schmerz trieb mir die Luft aus den Lungen. Ich atmete tief durch und konnte mich in eine sitzende Position bringen. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich nackt war. Verständnislos schaute ich auf meine Brust hinab. Über meinem Herzen war eine riesige Narbe und im Zentrum war der blaue funkelnde Stein. Ich berührte den Stein und sofort spürte ich Kraft.

„Steh auf Cymoril. Steh auf.’“ Hallte es durch meine Gedanken. Was war das nur? Ich versuchte wieder mich aufzurichten, aber mir fehlte die Kraft. Ich kroch auf allen vieren von der Lichtung ins Unterholz und hoffte ein paar Beeren zu finden. „Wäre ich doch nur ein Tier, dann könnte ich durch den Wald streifen“ dachte ich und biss die Zähne zusammen. Und auf einmal kroch ich nicht mehr sondern lief auf allen Vieren. Ich blieb stehen und blickte mich verwundert um. Ich war ein Tier. Wie war das alles nur möglich?

Schön langsam schockte mich nichts mehr und mit der Zeit kamen die Erinnerungen zurück an mein Leben. Ich schaffte es mich wieder in einen Menschen zurück zu verwandeln, obwohl ich immer noch nicht begriff, warum zur Hölle ich dazu in der Lage war. Ich hörte auf zu sprechen und begann zu denken. „Du bist auf dem richtigen Weg, Cymoril“ ertönte es wieder in meinem Kopf. „Wer bist du?“ fragte ich wortlos zurück. „Ich bin ein Teil von dir nun, die Seele des Lebenssteines. Wir sind nun verbunden um Aufgaben für SIE zu bewältigen.“. Je mehr Fragen ich stellte, desto unklarer wurde alles. Wer waren SIE und warum sollte gerade ich diese Aufgaben übernehmen?

Der Geist leitete mich behutsam an und erklärte mir dass ich mich in alles mögliche Lebendige denken konnte. Vielleicht würde sich dieses Wissen jemals als nützlich erweisen. Ich beschloss ein wenig zu jagen und wählte eine Wölfin als Gestalt. Es war sehr ungewohnt, doch nach einigen Stunden des Übens und halb verhungert erlegte ich ein Kaninchen, dass ich roh auffraß. Ich ruhte mich eine Weile nach dem Mahl aus und dann sprach der Geist erneut zu mir. „Es gibt da draußen jemanden den du finden musst. Er wird dir beistehen und dich leiten und begleiten auf deinen Wegen. Auch er hat einen Stein, wie du ihn hast. Du wirst ihn spüren wo immer du auch bist und er wird der einzige sein, dem du vertrauen kannst. Du musst lernen die Welt mit neuen Augen zu betrachten, Cymoril.“

Mein Herz wurde schwer bei diesen Worten und entmutigt lag ich ihm Unterholz. Ich wollte das alles nicht. Ich wollte meine Familie wäre hier und Eric wäre hier, doch anscheinend sollte ein neuer Teil meines Lebens beginnen und viele Aufgaben harrten meiner. Ich beschloss zu schlafen und die Ruhe zu genießen die mir blieb. Die Welt drehte sich um mich herum und ich versuchte verzweifelt einen Ruhepunkt zu finden und nicht den Verstand zu verlieren. Als ich am nächsten Morgen aufwachte waren meine Augen tränennass und der Geist versuchte mich zu beruhigen, doch dazu war es zu spät. Ich versuchte mich zu sammeln und m*****ierte los. Irgendwo da draußen musste dieser mysteriöse Mann sein, den ich finden sollte.

Kapitel 2 – Die Suche beginnt von neuem

Ich wanderte tagelang in verschiedenen Gestalten herum, doch es behagte mir nicht recht in Tiergestalt umherzulaufen, obwohl es unterwegs durchaus sehr praktisch war. Doch Praxis bestimmte nicht mein Denken und ich war furchtbar durcheinander ob all der Ereignisse die statt gefunden hatten. Ich schreckte aus meinen dunklen Gedanken auf, als ich spürte wie Regentropfen auf mein Fell fielen. Ich schüttelte mich und ging weiter, doch bald musste ich feststellen, dass es einfach zu stark regnete und ich mir einen Unterschlupf suchen musste.

Ich versuchte durchzuhalten um einen Unterschlupf zu finden, doch ich war auf einer weiten Ebene. Gehetzt sah ich mich um und Blitze zuckten vom Firmament und Donner grollte. Dieses Unwetter beunruhigte mich und alles in mir schrie danach Unterschlupf zu finden. Ich begann gehetzt zu laufen, doch weit und breit gab es nichts. „Cymoril, mach die Augen auf.“ Ich verstand nicht. Ich blieb stehen und sah mich um…da war nichts.

Minutenlang stand ich da mit schief gelegtem Kopf und sah nur einen weite flache Ebene. Doch dann flimmerte das Bild vor meinen Augen und auf einmal sah ich eine Kraterlandschaft. Was war das nur für ein seltsamer Ort. „Du musst lernen alle deine Sinne zu gebrauchen. Menschen sind manchmal sehr einfältig und sehen nur was sie sehen wollen, anstatt die Welt mit geschärftem Blick zu betrachten.“ Ärger keimte in mir hoch. Ich war doch kein kleines Kind mit dem man so reden konnte, doch ich schob es beiseite. Ich musste mich verkriechen bis das Unwetter vorüber war, dann konnte ich noch immer mit meinem Mitbewohner streiten.

Ich sah mich noch einmal genauer um und hastete dann zu einer der Höhlen. Vorsichtig blickte ich um die Ecke und sah ein Feuer. Dort war jemand, doch ich konnte nicht sehen wer. Meint Instinkt versagte anscheinend, denn ich hatte nicht das Gefühl dass Gefahr drohte. Ich blickte mich um, doch im Regen zu stehen war auch nicht das Wahre und so betrat ich auf leisen Pfoten die Höhle. Der Bewohner der Höhle war anscheinend ein alter Einsiedler, der ein Nickerchen am Feuer machte. Ich schlich mich leise zum Feuer und legte mich in den dunklen Schatten.

„Was für ein schönes Tier du bist“ Ich erschrak, doch die Augen des Greis blickten mich voll Wärme und Neugier an. Ich setze mich auf und sah ihn an. Es war wirklich ein Greis mit langem weißem Bart. „Hat dich das Unwetter hierher getrieben? So soll es sein…ich würde auch nicht gern da draußen sein.“ Er lachte und winkte mich heran. Zögernd ging ich näher und erst jetzt merkte ich wie misstrauisch ich war. Der alte Greis wollte mir sicher nichts Böses, wahrscheinlich freute er sich über Gesellschaft. Ich entschloss mich ihm näher zu kommen und legte mich neben ihn ans Feuer. „Na meine Schöne hast du auch Hunger?“ Ich heulte leise um meine Zustimmung zu zeigen und der alte Mann packte etwas Dörrfleisch aus einem Tuch aus und teilte es mit mir.

Wir lagen die ganze Nacht am Feuer und der alte Mann redete mit mir. Ich antwortete zwar nicht doch lauschte seiner Geschichte über das Volk der Bulkan. Irgendwann schlief ich ein und als ich am nächsten Tag erwachte war das Feuer von gestern nur noch Asche und der alte Mann war weg. Etwas verstört sah ich mich um und entdeckte, dass er mir ein wenig Fleisch dagelassen hatte. Er war sicher ein guter Mensch. Hungrig fraß ich das Fleisch und beschloss nun auch weiter zu ziehen.

Ich wechselte in die Gestalt um mir die Ebene von oben anzusehen und beschloss meinen Weg von nun an im Federkleid fort zu setzen. Schon bald merkte ich wie anstrengend fliegen war, doch ich flog weiter. Die Gegend war seltsam und selbst mit all meinen Sinnen ergab sie keinen Sinn für mich. Ich flog über schnell wechselndes Gelände bis ich irgendwann an einer unsichtbaren Barriere abprallte. Ich trudelte zu Boden und beschloss mich erst einmal zu erholen. Was war das nur für eine Barriere?


Kapitel 3 – Grenzen

Als ich mich ein wenig erholt hatte sah ich mir die Barriere genauer an. Sie war nicht wirklich unsichtbar sondern ein sanftes Flimmern. Neugierig ging ich näher und versuchte mit der Hand hindurch zu greifen. Es war wie durch zähflüssigen Sirup zu gleiten. Voller Ekel zwängte ich mich hindurch und als ich endlich drüben ankam hatte ich das Gefühl Jahrtausende wären vergangen.

Ich ging ein Stück weiter und sah einen wunderbaren kristallklaren See und ein paar Schatten spendende Bäume ringsherum. Ich hatte furchtbaren Durst und kniete mich am Seeufer nieder. Als ich mich über das Wasser beugte und die Hand eintauchte schrie mein Mitbewohner in mir auf. Vor lauter Schreck zuckte ich zurück, doch ich hatte das Wasser schon berührt und ein Schmerz zuckte meinen Arm hinauf. Ich sah wie das Wasser meine Haut verätzte wie Säure. „Sieh hin“ schrie mich mein Mitbewohner an und ich sah hin und dann sah ich es. Ein grausiger Sumpf der blubberte und aus dem mich tote Augen anglotzten und die Augen sprachen zu mir.

Voller Entsetzen rannte ich um mein Leben, rannte vor diesen Stimmen weg die in meinem Kopf waren und versuchte die Bilder zu verdrängen von diesen toten Augen. Alles wurde nur schlimmer und die Angst verfolgt zu werden kam hinzu. Was war wenn diese Wesen aus diesem Tümpel empor stiegen. Ich wollte gar nicht weiter denken. Nach einiger Zeit sah ich ein Bauerndorf und lief gehetzt darauf zu. Vielleicht gab es dort Menschen die mir helfen konnten.

Während ich lief sah ich etwas am Himmel. Es war sehr hoch oben und es weckte meine Neugier, doch würde ich nicht hoch genug kommen um es zu erspähen. Doch Schutz war nun wichtiger und ich suchte den Schutz der Menge. So lief ich unbeirrt weiter in das Dorf, doch als ich dort ankam sah ich niemanden auf der Straße. Ich wollte laut rufen doch irgendetwas bewahrte mich davor. Ich hatte nicht das Gefühl an einem verlassenen Ort zu sein, doch wunderte es mich dass kein Laut zu hören war.

Kein Vogel sang und auch sonst hörte ich keinerlei alltägliche Geräusche. Ich versuchte in ein Haus zu gehen, doch es war verriegelt und jede weitere Tür die ich ausprobierte war auch verriegelt. Seltsam. Vielleicht waren die Bewohner auf Feldern oder im Wald. Doch schnell hatte ich die Antwort auf meine Frage als ich wieder das monströse Ding am Himmel sah. Vielleicht hatten sich die Bewohner versteckt. Ich stand starr mitten auf der Straße und starrte auf das Ungetüm am Himmel und es kam näher.

„Versteck dich doch“ flüsterte mir meine Stimme zu doch wo sollte ich mich verstecken. Als es näher kam sah ich, dass es ein riesiger Drache war und meine Beine waren wie gelähmt. Ich konnte mich nicht rühren, ich war starr vor Angst. Ich sah den Drachen heranrasen und sein **** öffnen und wie in Zeitlupe sah ich eine Tür hinter mir aufgehen und ein riesiger Bulkan stürmte auf mich zu und riss mich mit sich. Alles dehnte sich in eine Unendlichkeit und als die Tür hinter uns zu ging und ich in den Keller hinunter geschleift wurde hörte ich die schrillen Schreie des Drachen und das wütende Schnauben das ohrenbetäubend war und ich brach zusammen.

Kapitel 4 – Kapitulation

Als ich wieder aufwachte starrten mich alle an. Ich lag mitten in dem Keller, umringt von Bulkanfrauen die mich neugierig betrachteten. „Danke dass ihr mich gerettet habt.“ Sagte ich schüchtern. Die Frauen wichen zurück wie auf ein Zeichen und der große Bulkan der mich in den Keller gezerrt hatte trat an mich heran und zog mich hoch. „Du bist es also wirklich“ sagte er und umarmte mich herzlich und als ich ihn ansah kam die Erinnerung zurück.

„Der Stein hat dich also hierher zu mir geführt. Ich sehe es in deinen Augen, versuch nicht es zu leugnen. Wir haben eine Aufgabe zu bewältigen. Dieser Drache da draußen ist nicht zufällig hier. Er sollte unsere Begegnung verhindern also pack dich zusammen und lass uns gehen.“ Ich war total perplex und das einzige was ich herausbrachte war: „Was?“. „Du hast mich schon richtig verstanden. Wir gehen jetzt also komm. Sieh mich nicht so an und komm endlich.“

Er nahm mich an der Hand und führte mich zu meinen Habseligkeiten. Ich legte meine weiße Rüstung an und schulterte mein Gewehr sowie meine Laserwaffe. Ich wollte zu meinem Mitbewohner Kontakt aufnehmen aber er blieb stumm. Tränen rannen über meine Wangen, während ich meine Sachen packte. Ich wollte da nicht raus, ich hatte furchtbare Angst. „Nana, nicht weinen kleine Schwester. Es wird schon alles gut aber da müssen wir jetzt durch. Ich bin übrigens Hawkeye.“ Er legte seinen Arm um mich und wischte mir die Tränen fast liebevoll weg und zog mich dann zur Tür.

Ich klammerte mich am Treppengeländer fest wie ein kleines Kind, solche Angst hatte ich. Er versuchte nicht mich mitzuzerren aber er sah mich sehr traurig an. „Du weißt es muss sein. Kämpf nicht dagegen an, du bereitest dir nur selbst Kummer. Und nun komm kleine Schwester, der Drache wartet auf uns.“ Verzweifelt sah ich mich um doch hinter mir standen geschlossen die Frauen und vor mir stand Hawkeye mit traurigem Gesicht. Und so kapitulierte ich und folgte ihm schweren Herzens.

Als wir hinaustraten hielt Hawkeye fest meine Hand und mir schlotterten die Knie. Der Drache saß vor der Tür und blickte uns nur an. Ich weiß nicht wie lange er uns anstarrte, aber plötzlich stieß er einen spitzen Schrei aus und erhob sich in die Luft. Hätte Hawkeye nicht meine Hand gehalten und schützend vor mir gestanden hätte es mich von Füßen gerissen. „Vertrau in unsere Stärke meine Kleine.“ Flüsterte Hawkeye mir zu, doch wo war diese Stärke? Er nahm seine riesige Axt vom Rücken und rückte seine Rüstung und seinen roten Schurz zurecht und als der Drache auf uns zustürzte lief Hakeye ihm schreiend entgegen mit erhobener Axt. Ich schloss meine Augen voller Verzweiflung. Das konnte nicht gut gehen. Wie sollten wir dieses Ungetüm besiegen. Ich musste ihm helfen, doch ich hatte Angst die Augen zu öffnen und ihn tot liegen zu sehen. Doch ich öffnete die Augen und Hawkeye lebte noch obwohl er arg angeschlagen aussah. Ich stürmte hinterher und zog mein Tornadogewehr vom Rücken und fing an zu schießen. Nach einiger Zeit wankte der Drache und ich sah auch Hawkeye wanken, doch als ich dachte er würde zu Boden fallen zog er den riesigen Schlächter und spaltete dem Drachen den Kopf. Hawkeye und der Drache fielen zu Boden und vor Schreck ließ ich alles fallen und lief hin. Ich flößte Hawkeye einen Heiltrank ein und versuchte ihn zurück zum Keller zu bringen, aber meine Kraft reichte dafür nicht.

Ich schrie wie von Sinnen um Hilfe aber niemand kam. Panik erfasste mich und ich drückte Hawkeye weinend an mich. „Bleib bei mir. Ich habe solche Angst“ stammelte ich unter Tränen und Hawkeye schlug die Augen auf und lächelte mich an. „Ich sagte doch dass alles gut wird kleine Schwester und nun nimm dich ein wenig zusammen. Dein Lächeln gefällt mir besser.“


Kapitel 5 – Etwas endet, um etwas Neuem Platz zu machen

Ich blinzelte einige Tränen fort und musste lachen, obwohl es mehr ein Schniefen war. Ich dachte, der Drache würde uns beide töten , doch wir hatten es geschafft. Der tote Drache lag mit zerschmettertem Schädel einige Meter entfernt von mir auf dem Boden und stank bestialisch. Es nahm mir schier die Luft zum Atmen, doch ich konnte den Blick nicht abwenden.

Nach einiger Zeit rissen mich Schritte aus meinen Gedanken und als ich hinabblickte, sah ich dass Hawkeye ohnmächtig geworden war. Hilflos versuchte ich ihn zu schütteln, aber mir fehlte die Kraft ihn auch nur einige Zentimeter zu bewegen. Ich hatte das Gefühl, als würde sich alles drehen und ich sah noch wie einige Bulkanfrauen und auch Männer auf den Dorfplatz strömten und alles wurde schwarz um mich.

Als ich wieder erwachte fand ich mich auf einer weichen Strohmatratze wieder und Hawkeye saß bandagiert neben mir. Er musste sehr viel Blut verloren haben, denn er wirkte wie ein Gespenst. Mir war noch ein wenig schwindlig, doch langsam klärte sich mein Blick und ich lächelte. Hawkeye berichtete mir, dass sie ein großes Freudenfeuer auf dem Platz entzündeten um den Tod des bösen Drachen zu feiern.

Ich musste lächeln und Hawkeye reichte mir seine Hand, damit ich aufstehen konnte. Ich war noch ein wenig wackelig auf den Beinen, doch es ging mir von Minute zu Minute besser. Die nackte Angst war Faszination gewichen und Hawkeye legte mir seinen Arm um die Schulter, als wir gemeinsam den Dorfplatz betraten. Die Menge jubelte und sang ausgelassen, steckte mich mit ihrer unschuldigen Freude an und vertrieb meine dunklen Sorgen. Wir tanzten und trunken, sangen und erzählten die ganze Nacht lang bis zum Morgengrauen.

Als die Sonne aufging, war das Feuer auf dem Platz erloschen und noch einige Alte und Kinder lagen in Decken gehüllt darum verteilt. Hawkeye erhob sich schweigend und reichte mir die Hand. Er sprach auch kein Wort als er mich zu einem kleinen Haus am Rande des Dorfes führte und als er die Tür öffnete, war das einzige Geräusch das mich empfing, das Ächzen des uralten Holzes.

Es roch nach Heu und Kräutern, aber auch nach etwas anderem das ich nicht einordnen konnte. Und plötzlich sah ich eine Klinge blitzen vor meinen Augen und das gefährliche Funkeln in den Augen des riesigen Bulkans. Fast schneidend flüsterte er: „Wir müssen weiterziehen Cymoril. Es muss einfach sein, sonst schleppe ich dich wie einen S ack Mehl an unseren Bestimmungsort.“

Ich wich unwillkürlich zurück, als ich seinen flackernden Blick sah, doch sofort klärten sich seine Augen und er ließ das Messer sinken und lacht laut. Es musste wohl der Schlachteneifer gewesen sein, der Besitz von ihm ergriffen hatte und schon im nächsten Moment zog er mich an sich und küsste mich leidenschaftlich. Ich riss perplex die Augen auf, aber nach einigen ewig scheinenden Momenten, erwiderte ich seinen Kuss hungrig.

Wortlos hob er mich hoch wie ein Kind und trug mich zu einem der Strohlager in den Ecken des Wohnraumes und bettete mich darauf. Ich wagte es nicht mich zu rühren, doch ich wusste längst was er wollte. Neugier und ein wenig Angst mischte sich in meinen Blick, als er begann das einfache Kleid, das ich trug, aufzuschnüren. Ich atmete scharf die kühle Morgenluft ein und als er mir das Kleid abgestreift hatte, bekam ich eine Gänsehaut. Leicht fröstelnd schmiegte ich mich nach Halt suchend in seine Arme und schloss die Augen.

Kapitel 6 - Wandlungen

Die Sonne war längst aufgegangen und als ich die Augen aufschlug, musste es weit nach Mittag sein. Hawkeye stöhnte im Schlaf und seine heftigen Bewegungen mussten mich geweckt haben. Ich schüttelte ihn sanft und kurz darauf schlief er friedlich weiter und ich saß gedankenverloren im Stroh. Ich war unschlüssig ob ich mich anziehen sollte und gehen, oder ob ich bleiben sollte bis der stattliche Bulkan neben mir erwacht. Viele Minuten rang ich mit mir, doch dann zog ich mich an und ging vor die Tür.

Geschäftiges Treiben herrschte im Dorf und viele Bulkanfamilien saßen auf dem Dorfplatz und aßen dort gemeinsam und scherzten. Es ging sehr laut, aber herzlich zu und ich beschloss mich dazu zu gesellen. Doch statt einem herzlichen Empfang erwarteten mich nur misstrauische Blicke. Ich verstand das Verhalten der Bewohner nicht, denn gestern Nacht erzählten sie mir noch so wunderbare Geschichten und Legenden. Ob ich wohl etwas Falsches getan oder gesagt hatte? Ich wusste es nicht…

Niedergeschlagen kehrte ich zu dem kleinen Häuschen zurück und sammelte meine Ausrüstung zusammen. Ich wollte hier schnell weg und all das hinter mir lassen, doch ich musste wohl zu laut gewesen sein. Ich hörte wie Hawkeye sich herumwälzte und erhob, seine Schritte hallten in meinen Ohren. Ich wollte nur hier weg, weg von diesem Dorf und weg vor meinen Ängsten und Sehnsüchten. Schnell griff ich nach meinen Sachen und wollte zum Ausgang hetzen, doch seine kräftige Hand packte mich an den Haaren und zog mich zum Strohlager zurück. „Du kannst mich nicht verlassen, kleine Schwester. Wir sind verbunden, noch mehr als du denkst“ tönten seine lauten, zornigen Worte in meinen Ohren.

Ich wollte mich umdrehen und etwas erwidern, aber die Gelegenheit gab er mir nicht. Sehr unsanft zerrte er mich an den Haaren herum und drückte mir einen rohen Kuss auf die Lippen, das es schmerzte. War das noch immer derselbe Mann den ich einst getroffen hatte? Oder war ich einer Täuschung erlegen? Ich wagte es nicht ein Wort zu sagen und befürchtete, dass er das Schlimmste mit mir anstellen würde, doch nichts dergleichen geschah.

Er rief mir herrische Befehle zu, dass ich nun für ihn packen sollte und das es ein langer Weg werden würde, und mir graute bei dem Gedanken daran, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen würden. Wo Sanftheit war, blieben nur noch Rohheit und scharfe Worte für mich übrig und als wir das Dorf verließen, blickte ich fast wehmütig zurück. Ich stapfte voller Verzweiflung hinter ihm her, als wir tag aus und tag ein Schritt für Schritt auf den Weg setzten und längst interessierte mich das Ziel unserer Reise nicht mehr.

Wir umgingen einige kleinere Dörfer und wanderten manches Mal querfeldein. Tagsüber schliefen wir und nachts wanderten wir weiter, manchmal durch Finsternis. Manchmal sah ich kaum die Hand vor Augen und wenn ich fiel, schrie er mich zornig an. Ich genoss die Zeit wenn er nach einem langen Marsch auf der Jagd war, um für das Essen zu sorgen und ein Mal versuchte ich zu fliehen. Doch ich verirrte mich und einige Stunden später fand er mich und verpasste mir eine schallende Ohrfeige.

Ich fügte mich in mein Schicksal und ging weiter mit ihm, tagaus und tagein, bis wir eines Tages auf andere Wanderer stießen die uns seltsam beäugten. Es waren recht merkwürdige Gestalten und ein Schauer lief mir über den Rücken, als ich entdeckte, dass es Kailiptons waren, obwohl ich nicht wirklich zuordnen konnte, warum das so war. Hawkeye begrüßte die beiden Magier freundlich und hielt es nicht einmal für nötig sie mir vorzustellen. Ich ignorierte ihre Unterhaltungen am Lagerfeuer, doch hörte ich, das wir schon nah am Ziel sein mussten.

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