Das Buch Memoras
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1. Teil
Ich weiß noch nicht, wie das alles passieren konnte, aber eines kann ich Euch sagen: Alles hat mit diesem vermaledeiten Buch angefangen. Wer gibt einem Buch solche Macht? Das ist Irrsinn!
Zunächst einmal, damit Ihr wisst, mit wem Ihr es zu tun habt: Ich bin Melchior, Schreiber am Hofe des Grafen Augustus – ich hatte ein ganz passables und angenehmes Leben, bis noch vor einer Woche. Schriftstücke von verschiedener Wichtigkeit aufsetzen und von Zeit zu Zeit einige Botengänge tun – das waren meine Aufgaben. Ganz nebenbei wusste ich damit von den Geschäften unseres Grafen natürlich immer als erster – was meine Beliebtheit in der Stadt zu manchen Zeiten in positiver Weise veränderte. Mehr hatte ich mir auch nie gewünscht. Kämpfen wollte ich nie, ich hasse jedes Wort, mit dem man Gefahr verbinden kann. Auch Handwerker oder Händler war nichts für mich, die mussten immer Angst haben, dass Ihnen die Kunden wegliefen – mein Posten dagegen war sicher. Ein Studium der alten Schriften hatte ich schon einmal in Betracht gezogen, doch fand ich das damals zu kompliziert und überließ solche Angelegenheiten lieber den Magiern. Die sollten sich mit all den seltsamen Dingen beschäftigen, die die Bücher überlieferten. Ich wollte mit all dem nichts zu tun haben. Ich hätte niemandem geglaubt, der mir vorausgesagt hätte, dass alles das Geschehen würde, was ich in der letzten Woche gesehen habe. Niemals.
Es fing ganz harmlos an. Für meine Verhältnisse war es schon etwas Besonderes, doch dachte ich mir nichts weiter dabei, als man mich bat, in die Bibliothek unseres Grafen zu gehen und dort aufzuschreiben, was mir ein Magier diktierte. So etwas kam nur wenige Male im Jahr vor. Die Magier blieben lieber unter Ihresgleichen und weihten Außenstehende nur selten in Ihre Studien ein. Wenn sich aber niemand anderes zum Schreiben fand und der Zeitdruck es nicht anders zuließ, musste ich Bücher kopieren oder Diktiertes zu Papier bringen. Man war sich sicher, ich würde niemandem etwas wichtiges verraten, größtenteils deshalb, da ich nichts von dem verstand, was ich dort schrieb. So auch diesmal. Ich kopierte Textpassagen aus anderen Büchern und schrieb Kommentare des Magiers dazu, bis nach etlichen Stunden schon ein ganzes Bündel an Blättern zusammengekommen war. Ich war entsetzlich müde und verabschiedete mich, um etwas schlafen zu können, bevor es am nächsten Tag weiterging. So viel ich bis dahin verstanden hatte, las der Magier über ein anderes Buch nach. Mehr konnte ich mir kaum erschließen, da viele der Worte mir unbekannt waren oder in ihrer zusmmenstellung für mich keinen Sinn ergaben. Früh am nächsten Morgen wurde ich geweckt. Eine Kutsche stand direkt vor der Tür meiner Wohnung, man hieß mich aufzustehen, schnell für mehrere Tage zu packen und einzusteigen. Ich gehorchte. Eingestiegen erwartete mich der Magier vom vorherigen Tag. Kurz und knapp machte er mir klar, dass er mehr Informationen aus der Bibliothek von Deltur brauchte und dort dann einiges zu erledigen hatte. Ich sollte auf dem Weg dorthin weiter Verschiedenes aufschreiben und in Deltur angekommen einige Passagen aus Büchern kopieren.
Nun fingen also die Probleme an. Mich hatte man noch nie aus dem Schlaf gerissen – für Schreibarbeit! Wie dachte sich dieser Magier sollte ich in einer Kutsche schreiben, die im Eiltempo über die Straße polterte? Und überhaupt – hatte man in Deltur denn keinen Schreiber? Deltur ist immerhin unsere Kaiserstadt! Ich bin vorher nur einmal dort gewesen – sie ist prächtig. Von den Aussenbezirken abgesehen, haben nur die besten Handwerker und Baumeister an dieser Stadt gearbeitet. Sie ist so groß, dass man es sich kaum vorstellen kann und trotzdem ist es dort sehr friedlich, da der Pöbel von den Wachen nicht in den Inneren Kreis gelassen wird. Und was es dort nicht alles zu kaufen gibt – es gibt Händler für alles, was man sich vorstellen kann. Die Umstände, die zu meinem erneuten Besuch führten, waren zwar recht ungewöhnlich, aber ich freute mich, noch einmal nach Deltur zu kommen. Ich hätte lieber ablehnen sollen, den Magier zu begleiten. Hätte ich doch nur einmal „Nein!“ gesagt.
Oh verdammt, ich muss hier weg – es kommt wieder! ...